Abgeordneter löst irisches Twittergate aus.

16. September 2010 | Von | Kategorie: Politik

Eine getwitterte Andeutung der irische Regierungschef Brian Cowen könnte alkoholisiert ein Interview gegeben haben, beschäftigte gestern das Land. Der so Geziehene konterte den Vorwurf aus den gegnerischen Reihen postwendend als einen “neuen Tiefpunkt irischer Politik”, entschuldigte sich aber zugleich bei der Öffentlichkeit für sein schwaches Auftreten und seine Heiserkeit.

Politiker und Alkohol – manch einer mag vermuten, dass ellenlange Sitzungen und wenig aufregende Diners nur durch die beschwingende Wirkung des Alkohols ertragen lassen. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ein etwas aus der Bahn getragener französischer Präsident Sarkozy zur Pressekonferenz auf dem G8 Gipfel bat. Und nun soll ein genau gegenteiliges Verhalten Brian Cowens ein Indiz dafür sein, dass der Regierungsschef einen Schluck zuviel “uisge beatha” zu sich genommen hat?

Was hatte es mit der Staatsaffäre nun wirklich auf sich? Nach einer Klausurtagung der Fianna Fail-Parlamentsfraktion in Galway hatte Cowen am darauffolgenden Montagmorgen mit rauher und schleppender Stimme dem nationalen Radiosender RTE ein Interview gegeben. Der verkehrspolitische Sprecher der konkurrierenden Fine Gael Simon Coveney fühlte sich daraufhin bemüßigt, seine Sicht der morgendlichen Radiofragestunde in die Welt zu twittern: “Meine Güte, was für ein uninspirierendes Interview des Taoiseach war das heute morgen. Er klang als ob er irgendwo zwischen angetrunken und völlig uninteressiert wäre”.

Während die Öffentlichkeit noch rätselte “Hat er oder hat er nicht?” trat Cowen den Gegenangriff an. Es sei, räumte der Taoiseach ein, wegen seiner Heiserkeit zugegebenermaßen nicht sein bestes Interview gewesen, die Unterstellungen Coveneys entbehrten jedoch jeglicher Grundlage. Vielmehr seien die Andeutungen “ganz offensichtlich politsch motiviert und instrumentlisiert” schimpfte ein empörter Cowen. “Ich bin sehr enttäuscht, dass der Abgeordnete Coveney auf solch läppisch persönliche Angriffe zurückgreifen muss, die ich persönlich für sehr schändlich halte.” All das sei ein “Tiefpunkt irischer Politik”, beklagte Cowen.

Unterstützung erhielt der Regierungschef aus den Reihen seiner Parteifreunde, die die Äußerungen Coveney als “unverantwortlich” brandmarkten.

Und was sagt der so Gescholtene? Der twittert schon wieder: “Offensichtlich hat die Abgabe eines ehrlichen Kommentars zum Interview des Taoiseachs jetzt schon als ‘neuer Tiefpunkt der Politik’ zu gelten.”

Bildnachweis:
Brian Cowen by wikipedia (Maxine Bernier)

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