Zu Gast bei (einstigen) Feinden – Martin McGuinness und die Tories

6. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Nordirland, Politik

Martin McGuinness (Sinn Fein)

Historischer und symbolhafter Auftritt in Birmingham. Nur wenige Stunden nach dem Bombenanschlag republikanischer Dissidenten trat der frühere IRA-Kämpfer und heutige stellvertretende Regierungschef Martin McGuinness als Gastredner auf einem Parteitag der Konservativen Partei Großbritanniens auf, wo er am Rande seines Auftritts die Unumkehrbarkeit des Friedensprozesses betonte.

Der Auftritt von McGuinness muss bei einigen Tory-Abgeordneten angesichts der nächtlichen Geschehnisse zweispältige Erinnerungen ausgelöst haben. Anfang der 1970er Jahre war Martin McGuinness einer der führenden IRA-Köpfe und stellvertretender Kommandant des IRA-Battalions in Derry. In den 80er Jahren verfolgte McGuinness zusammen mit Gerry Adams bereits den politischen Weg zum Frieden, doch in Großbritannien herrschte für ihn Einreiseverbot, seine Stimme wurde in den Nachrichten von einem Synchronsprecher ersetzt.

Heute ist McGuinness “Deputy First Minister” in Nordirland neben dem Unionisten Peter Robinson und auf dem Höhepunkt seiner Karriere und selbst die einstigen erklärten Feinde zollen ihm Respekt für seine Leistung auf dem Weg zum Karfreitagsabkommen und die politische Arbeit danach. Dabei können sich noch viele Parteimiglieder an die Parteikonferenz von 1984 erinnern. In einem Hotel in Brighton explodierte damals eine IRA-Bombe, es gab fünf Tote. Die damalige Premierminsterin Margaret Thatcher entkam dem Inferno nur knapp, zwei ihrer Minister wurden verletzt.

Doch davon war am gestrigen Dienstag keine Rede mehr. Der Berufspolitiker McGuinness hielt seinen Vortrag, der sich im Kern um Wirtschafts- und Haushaltsfragen Nordirlands drehte, und fühlte sich sichtlich wohl. Reportern sagte er, dass er seit dem Karfreitagsabkommen im Jahr 1994 regelmäßig durch Großbritannien reise und nur freundlich empfangen worden sei. “Die Menschen sagen mir dann immer ‘gut gemacht, macht so weiter’”, so McGuinness.

Ein symbolisches “gut gemacht” gab es für McGuinness auch aus den Reihen der britischen Regierung. Der britische Nordirlandminister Owen Paterson erklärte McGuinness Anwesenheit auf der Konferenz sein ein klares Symbol, welche enorme Entwicklung Nordirland bereits genommen habe.

Bildnachweis: wikipedia

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