Neue Dokumente zu de Valeras Kondolenzbesuch nach Hitlers Tod zeigen Motive des Taoiseachs

13. November 2010 | Von | Kategorie: Geschichte

Éamon de Valera

Es ist der große dunkle Fleck auf dem internationalen Ansehen des Mannes, der Irland so lange führte, wie kein anderer. Als Eamon de Valera im Mai 1945 in seiner Funktion als Taoiseach dem deutschen Botschafter zum Tode Adolf Hitlers kondolierte, löste dieser Akt weltweite Empörung aus. Bisher geheimgehaltene uns jetzt in einem Buch veröffentlichte Dokumente zeigen die Gedanken und Motive von de Valera.

Als die Nachricht von Hitlers Selbstmord im Bunker der Reichskanzlei sich in Windeseile um den Globus verbreitete ließ sich der irische Premierminister Eamon de Valera zur deutschen Botschaft chauffieren, wo er dem Botschafter Dr. Eduard Hempel sein Beileid aussprach und ein Kondolenzbuch zum Tod des Führers unterzeichnete. Der Aufschrei in der Welt war groß – insbesondere natürlich bei den Nationen, die gegen Deutschland ins Feld gezogen waren – darunter Irlands Nachbar Großbritannien und die neue Heimat vieler Iren, die Vereinigten Staaten.

de Valera nahm nie öffentlich zu den Vorwürfen Stellung, seine genauen Motive blieben im Dunkeln. Für die Veröffentlichung des neuen Buches ‘Documents on Irish Foreign Policy 1941-1945′ wurden jedoch auch bisher geheim gehaltene Dokumente aus der Feder de Valeras verwendet, in denen er seine Gefühls-und Motivlage in jenen Maitagen 1945 offenlegt.

“Ich habe das erwartet”, schrieb de Valera,” Ich habe korrekt und, ich glaube, weise gehandelt.” Natürlich hätte er eine “diplomatische Krankheit” vortäuschen können, aber er verachte derlei Spielereien.

Seinen eigenen Aufzeichnungen zufolge, wäre eine Nicht-Reaktion ein Bruch sämtlicher Konventionen der Höflichkeit gewesen. “Solange wir diplomatische Beziehungen zu Deutschland unterhielten, wäre es eine unverzeihliche Unhöflichkeit dem deutschen Volk und Dr. Hempel gegenüber gewesen, dem deutschen Repräsentatnten keine Aufwartung zu machen”, führte der Taoiseach später in einem Brief aus. Er hätte sicherlich nicht Dr. Hempels Demütigung in der Stunde der Niederlage noch vergrößern wollen.

Und einen weiteren Grund für sein Verhalten führt de Valera weiter an – er hätte einen schlechten Präzedenzfall geschaffen. “Es ist von besonderer Wichtigkeit, dass den Formalien der Höflichkeit keine weitere besondere Bedeutung angehaftet wird – wie die Zustimmung oder Ablehnung des betroffenene Staates oder seines Staatsoberhauptes.”

Die Autoren des Buches folgen de Valeras Rechtfertigung jedoch nicht. Seine Begründung klinge “hohl”, schreiben sie und seine Entscheidung für den wenig durchdachten und berüchtigten Besuch hätte Irlands internationale Position nach dem zweiten Weltkrieg erheblich geschwächt.

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5 Kommentare auf "Neue Dokumente zu de Valeras Kondolenzbesuch nach Hitlers Tod zeigen Motive des Taoiseachs"

  1. Bernd Biege sagt:

    Mit allem Verlaub – etwas wirklich Neues lese ich da nicht. Und vor allem sind diese ganzen “Entschuldigungsversuche” de Valeras von ihm selbst schon ad absurdum geführt worden – nämlich durch seinen ausgebliebenen Kondolenzbesuch beim Tod von Franklin D. Roosevelt rund drei Wochen zuvor. De Valera versuchte seinen Besuch bei Hempel damit zu rechtfertigen, dass Irland noch diplomatische Kontakte zum Reich hielt. Mit welcher Begründung unterliess es dann den Besuch in der US-Mission?

  2. Tom (ing) sagt:

    Meine letzte Lektüre von Tim Pat Coogans “de Valera – The long fellow” liegt schon eine Weile zurück. Ich glaube mich aber erinnern zu können, dass Dev Zeit seines Lebens ganz gut darin war, Ausreden für sein Verhalten zu finden bzw. seine Vergangenheit in ein gutes Licht zu rücken. Und dass er und Roosevelt keine Freunde waren, wabert mir auch noch so im Hinterkopf herum.

    Was die Meldung selber betrifft, habe ich mich auf meine Quelle verlassen, die das als Neuigkeit dargestellt hat. Aber nach einer Nachrecherche habe ich festgestellt, dass besagter Brief – er ging an Robert Brennan – auch bei Tim Pat Coogan zitiert wird. Und das Buch ist immerhin von 1993 – ich habe es eben extra nochmal hervorgeholt. Alte Kamelle also! Sorry!

  3. Selge Kurt-Victor sagt:

    Das glaube ich nicht einmal von ferne, denn Irland war mit Deutschland im Kriegszustand wie England. Selbst Argentinien hat Deutschland im Februar/März noch den Krieg erklärt. Wer erfindet einen solchen Unsinn?
    Japan als Achsenverbündeter ist etwas anderes. Da hat der deutsche Botschafter noch nach dem 20. Mai eine Gedenkveranstaltung für Hitler veranstaltet. Für Japan endete der Krieg aber auch erst nach Hiroshima (Anfang-Mitte August).

    • admin sagt:

      Mit Verlaub, aber diese Aussage ist falsch. De Valera hatte Irland zu Beginn des Krieges für neutral erklärt und auch einen Kriegseintritt, wie von Churchill wiederholt gefordert immer abgelehnt. Aufgrund der anti-englischen und pro-deutschen Tendenzen im eigenen Land, wäre ein Kriegseintritt auf britischer Seite trotz der zahlreichen irischen Freiwilligen in der britischen Armee nicht vermittelbar gewesen.

      • forschermusik sagt:

        Ich habe inzwischen widerrufen. Ein Detail des 2. Weltkriegsendes, das mir nie vorgekommen ist. Paßte wohl nicht in irgendeinen deutschen Geschichtsunterricht. Muß hinzulernen.

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