Irlands Finanzen zwischen Zweifel und Vertrauen

16. November 2010 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

Ein steiler und schwerer Aufsteig steht für die Iren vor dem Ausweg aus dem Schuldenloch

Ein Blick in die Schlagzeilen der Nachrichtenagenturen bringt zur Zeit mehr Verwirrung denn Klarheit – zumindest wenn es um die irische Finanzlage geht. Rettungsschirm ja, nein oder doch vielleicht? Einer zumindest scheint über die Lage völlig im Klaren zu sein. Irlands Premier Brian Cowen hat erneut dementiert, dass Irland die europäischen Partner oder den Internationalen Währungsfond anrufen wird. Die Finanzierung sei bis ins kommende Jahr gesichert und völlig ausreichend, erklärte er gestern.

Kurz nochmal zurück zu den Schlagzeilen: Jean-Claude “Mr Euro” Juncker glaubt in einem Interview mit dem österreichischen Webportal tt.com daran, dass sich Irland an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann. Gleichzeitig drängen laut Financial Times Deutschland die EU-Platzhirsche und die Europäische Zentralbank sehr zum Ärgernis der “Kleinen” EU-Staaten auf einen Irland-Rettungsfond. Und Finnland hat schon sehr konkrete Vorstellungen von den durch Irland zu leistenden Garantien.

Und Brian Cowen… weiß gar nicht, was die anderen von ihm wollen. “Irland wird keinen Rettungsantrag an die EU oder den IWF stellen”, betonte der Taoiseach mit Verweis auf die bis Mitte 2011 gesicherte Finanzlage des Landes in einem Interview des irischen Staatsfernsehens RTE. “Ich habe hier einen Job zu erledigen,” so Cowen weiter, “indem ich sicherstelle, dass wir das Richtige für unser Land tun!” Irland werde sich mit seinen EU partnern zusammensetzen und klären “wie wir mittel- und langfristig unser Bankenwesen und die finanzielle Stabilität stärken können.”

Sollten die derzeit turbulenten Marktbedingungen zur Norm werden, dann würden noch Menschen in ganz anderen Ländern Probleme bekommen, wo Haushaltsdefizite reduziert und staatliche Dienstleistungen gesichert werden müssten.

Auch aus Brüssel sind widersprüchliche Aussagen zu hören: Während man bei der EU Erwartungen nach einem Rettungsschirm von EU und IWF dämpft, deuten Aussagen aus der Managementetage der Europäischen Zentralbank, darunter der Vizepräsident der Bank Vitor Constancio, darauf hin, dass eine solche Lösung derzeit durchaus diskutiert würde. Gespräche über eine übereinstimmende Position könnten auf dem heute stattfindenden Minstertreffen geführt werden. Für Vermutungen hinsichtlich des Ausgangs dürfte es noch zu früh sein.

In der Opposition hält man indes nichts von des Taoiseachs Optoimismus: Fine Gael-Sprecher Michael Noonan forderte Cowen auf “Klartext zu sprechen und sich nicht in Rätseln auszudrücken”. Noonan zufolge wäre es besser, wenn eine Rettungsaktion vermieden werden könnte. “Wir sind sicher der Auffassung, dass es eine viel besser Position wäre, unsere eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln. Unsere Souveränität wurde zu einem hohen Preis verdient, wir sollten sie nicht leichtfertig abgeben!”

Ein Kommentar auf "Irlands Finanzen zwischen Zweifel und Vertrauen"

  1. Jochen sagt:

    Also hat die Souveränität doch einen Preis. Schade, ich hätte Irland etwas besseres gewünscht

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