Regierung will Zahl der Irisch-Sprecher steigern

19. November 2010 | Von | Kategorie: Bildung

Seit Jahrhunderten kämpft die irische Sprache gegen das Aussterben – anfangs in kleinen Heckenschulen, später in der Gaelic League und seit der Gründung eines souveränen irischen Staates ist der Schutz der nationalen Sprache offizielle Aufgabe des Staates. In einem neuen Anlauf will die irische Regierung nun ein auf 20 Jahre angelegten Sprachförderprogramm ins Leben rufen, das die Zahl der Menschen, die Irisch tagtäglich sprechen von rund 85.000 auf bis zu 250.000 steigern will. Im Dail wurde die Initiative engagiert diskutiert.

Wohin geht die Reise für die irische Sprache?

Einen wesentlichen Anteil an der zweistündigen, überwiegend auf Irisch geführten Parlamentsdebatte hatte das Thema des Irischunterrichts in der Schule. Der Fine Gael-Abgeordnete aus dem County Louth Fergus O’Dowd forderte eine Abschaffung des Irisch-Pflichtunterrichts nach der 9. Klasse und stattdessen die Einführung einer Wahlmöglichkeit. “Schüler lieben die Fächer, sie die lernen wollen, nicht die, die sie lernen müssen”, untermauerte O’Dowd seine Forderung.

Den Forderungen, den Irisch-Pflichtunterricht nur bis zur 9. Klasse zu führen, erteilte Gaeltachtminister Pat Carey umgehend eine Absage. Unterstützung bekam der Minster dabei vom Gaeltacht-Sprecher der Fine Gael, der die Initiative begrüßte und forderte den verpflichtenden Irisch-Unterricht bis zu 13. Klasse beizubehalten.

Einig waren sich die Abgeordneten allerdings auch, dass Sprachförderung sich nicht auf die Schulen beschränken dürfe. So betonte Minister Carey die Wichtigkeit des persönlichen Sprach-Umfeldes, wie es beispielsweise in den Gaeltachten bestehe. “Im Familienhaushalt entsteht der Muttersprachler aber nur das Umfeld, das diese Sprache auch spricht,hält sie am Leben”. Wenn keine Maßnahmen ergriffen würden, bestünde die Gefahr, dass die Irische Sprache aussterben könnte.

“In der Bevölkerung gibt es eine breit gestreute, unterschwellige Unterstützung für die Irische Sprache”, betonte Labour-Vetreter Brian o’Shea, “uns muss es gelingen diese Unterstützung in etwas aktiveres zu verwandeln.” Eine Möglichkeit der Aktivierung sah o’Shea in der Schaffung von Arbeitsplätzen in den Gaeltacht-Gebieten. Ohne Arbeitsplätze könnten die Gaeltachten nicht am Leben gehalten werden, so o’Shea.

Mit seinem zweiten Vorschlag, die irische Sprache insbesondere im Bereich der unregelmäßigen Verben zu vereinfachen stieß auf den vehementen Widerstand von Sinn Féin Sprecher Aengus Ó Snodaigh. Mit den Worten “Ich sehe auch niemanden, der von den Franzosen verlangt, ihre unregelmäßigen Verben zu ändern”, wischte er den Vorschlag vom Tisch. Ó Snodaigh kritisierte vor allem das Parlament als Institution. Die Parlamentskommission weigere sich, auf Irisch verfasste Gesetzesnovellen anzunehmen und das Parlament selbst halte gerade eine Plenarsitzung pro Jahr in irischer Sprache – für gewöhnlich um die Zeit des St. Patrick Days.

Was aus der langfristig angelegten Sprachkampagne wirklich wird, darüber werden letzten Endes wohl auch die Währungswärter entscheiden, die in Dublin gerade über Irlands finanzielle Rettung diskutieren.

Tags: , ,

Schreibe einen Kommentar

Achtung: Mit Abgabe eines Kommentars erkläre ich mich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und meine IP-Adresse ausschließlich zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.
Ihre Daten werden dabei mit den Daten bekannter Spamversender abgeglichen und vier Tage gespeichert, eine weitere Verwendung ihrer Daten findet nicht statt.
Weitere Informationen zur Funktionsweise von Akismet und Widerrufsmöglichkeiten..