Winter Wonderland legt Irland lahm

2. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Gesellschaft, Umwelt, Verkehr

So schön geräumt wie auf diesem Wikipedia-Bild zeigten sich gestern nur wenige Dubliner Straßen

“Aus grün mach’ weiß”, muss sich Wettermann Petrus gedacht haben, als er Irland mit einer für irische Verhältnisse dicken Schneeschicht bedeckte und die Insel so ins Chaos stürzte. In der Luft und auf den Straßen ging nichts mehr, die öffentlichen Verkehrsmittel mussten teilweise den Betrieb einstellen. Für heute ist bestenfalls eine leichte Besserung in Sicht, weitere Schneefälle sind angekündigt.

Wer schon einmal oder öfter einen Winter in Irland genossen hat, der weiß, dass schon eine vorbeifliegende Schneeflocke viele autofahrende Iren an den Rand einer Panik treiben kann. Bleibt die Flocke dann liegen oder gesellen sich noch einige weitere dazu, ist das Chaos perfekt. Winterreifen wie hierzulande sind quasi nicht existent, bestenfalls gibt es beim Reifenhändler des Vertrauens diverse Traktionshilfen, die aber auch eher im Regal verstauben. Als Fußgänger hat man, sofern man sich nicht selbst darauf konzentrieren muss, das Gleichgewicht zu halten, das zweifelhafte Vergnügen, den vierrädrigen Verkehrsteilnehmern beim Rutschen zuzusehen.

So ist es nicht verwunderlich, dass gestern erst der Dubliner Flughafen den Betrieb einstellte, und auch der öffentliche Nahverkehr immer weiter zum Erliegen kam. Dublin Bus konnte nur Hauptlinien aufrecht erhalten und auch die LUAS operierte nur noch auf Teilabschnitten des Strecke. Lediglich Bus Eireann und Iarnrod Eireann trotzten den Elementen und transportierten ihre Passagiere, wenn auch teils mit massiven Verspätungen.

Auch am Donnerstagmorgen bot sich ein ähnliches Bild. Klangen die Twitternachrichten vom Dubliner Flugafen Anfangs noch sehr optimistisch, musste gegen Mittag wieder die Schließung des Flughafens verkündet werden.

Dublin Bus hatte schon seit dem frühen morgen die Befahrbarkeit seiner Linien durch Mitarbeiter prüfen lassen und fährt seitdem einen Notfahrplan, der auf der Website des Unternehmens einsehbar ist. “Operating as Normal” heißt es bei weniger als der Hälfte der aufgeführten Linien, einige Linien sind heute schlicht “cancelled”

Ein Blick auf die Roadwatch-Karte der AA lässt erahnen, wie es auf irischen Straßen zugeht

Das nationale Busnetzwerk von Bus Eireann will seinen Betrieb soweit verantwortbar aufrecht erhalten und hat ebenfalls eine Übersicht seiner Strecken im Internet verfügbar gemacht. Auf zwei Strecken nach New Ross und Rosslare können Passagiere kostenlos auf die Eisenbahn umsteigen.

Und die Autofahrer? Die werden wohl noch eine Weile mit den Verhältnissen zurecht kommen müssen. Die Wettervorhersage kündigt für Freitag weitere schwere Schneefälle an und auch am Samstag soll es gelegentlich schneien. Die zuständigen Behörden haben Auto- und Motorradfahrer aufgerufen, nur die nötigsten Fahrten zu unternehmen und ansonsten das Auto stehen zu lassen.

Unterdessen gehen die irischen Streusalzvorräte bereits zur Neige. Von den landesweit zur Verfügung stehenden 80.000 Tonnen – zum Vergleich: ein Wintertag einer mittleren deutschen Großstadt von 250.000 Einwohnern verschlingt bei sparsamem Einsatz bis zu 500 Tonnen – sind zu mehr als der Hälfte aufgebraucht, berichtet die National Road Authority.

Bildnachweis: wikipedia (1), Screenshot aaireland.ie (2)

Tags: ,

banner

Schreibe einen Kommentar

Achtung: Mit Abgabe eines Kommentars erkläre ich mich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und meine IP-Adresse ausschließlich zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.
Ihre Daten werden dabei mit den Daten bekannter Spamversender abgeglichen und vier Tage gespeichert, eine weitere Verwendung ihrer Daten findet nicht statt.
Weitere Informationen zur Funktionsweise von Akismet und Widerrufsmöglichkeiten..