PISA-Schock in Irland

8. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Bildung

Die Ergebnisse der auch in Deutschland berüchtigten PISA-Studie schocken Irland. In Mathematik sowie bei der Schreib- und Lesefähigkeit sind die Leistungen im Testzeitraum dramatisch abgefallen. Die irische Erziehungsministerin Mary Coughlan beschrieb die Ergebnisse in einer ersten Stellungnahme als “enttäuschend”.

Von Rang fünf auf Rang 17 ging es für die irischen Schüler bei der Lesefähigkeit, die damit den dramatischsten Absturz der 39 in der Studie getesteten Länder verzeichneten. Nach den Berechnungen der Studie liegt damit fast ein Viertel der irischen 15-jährigen liegen unter dem für eine wirkungsvolle Teilhabe an der Gesellschaft erforderlichen Grad der Schreib- und Lesefähigkeit.

Auch der Trend in Mathematik gibt Anlass zur Besorgnis. Vom 16. auf den 26. Rang rutschten die Schüler der grünen Insel ab, in diesem Falle der zweitstärkste Abfall der Studienländer. Irland wird somit als “unterdurchschnittlich” im Fach Mathematik geführt.

Obschon die Ergebnisse in den wissenschaftlichen Fächern nahezu unverändert blieben, landete Irland wegen der anderen Abstürze nurmehr auf Rang 18, angesichts der Fokussierung der Regierung auf die wissensbasierte Wirtschaft ein besorgniserregendes Ergebnis.

Im Bildungsministerium musste man einräumen, von den alarmierenden Verschlechterungen überrascht worden zu sein. Eine interne Analyse der Abschlusarbeiten über die letzten 10 Jahre hatte keinen Abfall der akademischen Standards ergeben. PISA, der renommierteste Schultest innerhalb Europas, stellt diese internen Bewertungen des Bildungsministeriums nun in Frage.

Das Ministerium hatte gestern um Verständnis geworben, die steigende Zahl von Einwandererkindern und die Integration von lernbehinderten Kindern in normale Klassen würden diese Probleme bei Lesen, Schreiben und Rechnen verursachen. Allerdings räumte es ein, dass nicht alle schlechten PISA-Ergebnisse damit zu erklären seien.

In Regierungskreisen werden sicherlich Sorgen aufkommen, dass dieser OECD-Vergleich den Ausblick auf fortgesetzte Direktinvestitionen aus den USA und weltweit eintrüben könnten. Der irische Lehrerverband sagte bereits gestern, der gute Ruf des irischen Bildungssystems würde durch die neuen Testergebnisse international beschädigt.

Die “Amerikanische Handelskammer in Irland” äusserte sich gestern Abend ebenfalls besorgt über den Erwerb von Schlüsselqualifikationen, wie Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Vorsitzende Joanne Richardson dazu: “Dies ist sehr ernst und stellt eine Gefahr dar für Irlands Versuch, eine wissensbasierte Wirtschaftsnation zu werden”. Ministerin Coughlan stellte als Reaktion auf diese Einschätzungen klar, es hätte kein “Erdrutsch” stattgefunden; dennoch sei man natürlich enttäuscht und besorgt.

Besonders bemerkenswert scheint zu sein, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Bildungsausgaben und den PISA-Ergebnissen der irischen Schüler gibt. Das letzte Jahrzent hatte nämlich der Staat wie nie zuvor in seine Bildungseinrichtungen investiert. Trotz dieser Anstrengungen ist aber das Verhältnis von Bruttosozialprodukt und Bildungsausgaben immernoch eines der schlechtesten innerhalb der OECD.

Die Bildungsministerin versprach in Hinblick auf die Forschungsergebnisse gewaltige Veränderungen: Lehrer müssen sich besser qualifizieren, um eine staatliche Stelle angeboten zu bekommen, bei sämtlichen Schularten. Und die Didaktik soll verstärkt Thema der Lehrerausbildung werden. Ausserdem wird mehr Wert gelegt werden auf kontinuierliche Weiterbildungen.

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