Trockene Blauhelm-Mission im Libanon

19. Dezember 2010 | Von | Kategorie: Politik

Nach 23 Jahren hat das kühle Bier am Feierabend als Erfrischung für irische Blauhelme im Dienste der UNIFIL-Libanon-Mission ausgedient. Die Armeeführung hatte aus Sicherheitsbedenken die Offiziers- und Mannschaftsmessen kurzerhand abgeschafft und damit die Soldaten des im Libanon eingesetzten Bataillons quasi aufs Trockene gesetzt.

Die Armeeführung hat ihre UNIFIL-Turppen im Libanon trockengelegt.

Seit 23 Jahren sind irische Blauhelme in wechselnder Mannstärke im Dienste der UNIFIL-Missionen im Südlibanon stationiert. Ihr bei der Stadt Tibin gelegenes Hauptquartier, von dem aus sie ihre Kontrollposten im staubigen Süden des Zedernstaats bemannten, nannten die Iren “Camp Shamrock”.

Und eben dort konnten Soldaten in ihrer dienstfreien Zeit in den Offiziers- oder Mannschaftsmessen sich bei einem kühlen Gerstensaft erholen. Waren Guinness & Co. nicht verfügbar, behalf man sich kurzerhand mit dem einheimischen Produkt aus der Almaza Brauerei. Gerüchten zufolge sollen die irischen Blauhelme sogar den Waffenstillstand während eines israelischen Bombardements des Südlibanons im Jahr 1996 genutzt haben, um einen Getränkelaster über die nun ja freien Straßen ins Camp zu lotsen.

Doch damit ist nun Schluss. Aus und Vorbei – “zu gefährlich” sagte die Armeeführung nun im Vorfeld einer neuen 440 Mann starken UNIFIL-Libanon-Mission der irischen “Defence Forces”, die das Kabinett von Premierminister Cowen am Dienstag gebilligt hatte. Die Sicherheitslage habe sich derart drastisch geändert, dass man den Verkauf und Genuss von Alkohol innerhalb der Camps nicht länger dulden könne. Nach den Wikileaks-Veröffentlichungen über die Lieferung ballistischer Raketen von Nordkorea an den Iran befürchtet man einen israelischen Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen und in der Folge mit verstärkter Aktivität der Hisbollah im Südlibanon.

Die Iren kehren in vertrautes Gebiet zurück. Nach dem offiziellen Abzug der Israelis aus dem Südlibanon und der Kontrollübernahme durch die libanesische Armee hatte sich auch die irische UNIFIL-Mission aus der Region verabschiedet, die in den Jahren zuvor heftige Kämpfe mit über 2000 toten Zivilisten und Soldaten erlebt hatte.

Doch wenig später begann das alte Spiel von vorne. Die Hisbollah rückte in den Süden vor, baute unterirdische Kommandostände und Waffenlager und schoss Raketen auf israelisches Gebiet ab, diese antworteten mit Bombenangriffen. Nun kehren die Iren in ihr altes Hauptquartier “Camp Shamrock” zurück, um – so die offizielle Marschrichtung – in Ihrem Einsatzgebiet zwischen ihrer Basis und der 12 Meilen entfernten israelischen Grenze den Waffenstillstand von 2006 zu sichern und die Übertragung der Friedenssicherung an die libanesische Armee zu unterstützen.

Trocken wird es werden für die irischen Soldaten im Camp Shamrock, und das nicht nur wegen des Klimas. Einsatzerfahrene Soldaten früherer Missionen befürchten durch das Verbot eher mehr Probleme als zuvor. Das System der Offiziers- und Mannschaftsmessen habe immer gut funktioniert, nie habe es Probleme mit den Operationen oder Wachdiensten gegeben, verlautet von den Veteranen. Man habe die Kontrolle über den Alkoholgenuss gehabt. Nun aber dürfte unerlaubter Alkoholgenuss und die Beschaffung der alkoholischen Getränke über einheimische Händler zum Problem werden, fürchten die Libanonkenner innerhalb der irischen Armee.

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