Waren Massaker des 1641-Auftstands nur Gruselgeschichten?

18. Februar 2011 | Von | Kategorie: Geschichte, Wissenschaft

Seit 1741 gehören die "1641 Depositions" der Bibliothek des Trinity College

Die Vorwürfe, dass während des irischen Aufstands von 1641 Tausende protestantischer Siedler niedergemetzelt worden seien, bröckeln. Eine neue Studie der Universität Aberdeen und dem Computerhersteller IBM lässt Zweifel am Wert der 450 Jahre alten Aussagen zu. Die Zeugenaussagen von damals sind in Irland unter dem Namen “1641 Depositions” bekannt.

Erst letztes Jahr waren die Berichte vom Trinity College digitalisiert worden, was die aktuelle Studie überhaupt erst ermöglicht hat. Die Berichte spielten damals eine tragende Rolle für Oliver Cromwell. Er rechtfertigte damit, wie er später grosse Teile Irlands plünderte.

Die Uni Aberdeen stellt in Ihrem Ergebnis den Wert der Depositions als “belastbare Beweise in Frage, indem sie “Hörensagen” als Grundlage vieler Zeugenaussagen entlarvt und indem sie zeigt, dass besonders die Berichte der schlimmsten Verbrechen oft aus zweiter oder dritter Hand stammten, statt aus eigener Beobachtung. Die Aussagen wurden zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung benutzt, zumal Frauen und Kinder als primäre Opfer der Rebellion angeführt wurden. Dies sollte die Aufständischen besonders barbarisch erscheinen lassen.”

Nun wird man nochmal über die Ausmasse der Vergehen nachdenken müssen: Mithilfe des von IBM gestellten Programms zeigt sich den Forschern heute ein neues Bild: In den 19.000 Seiten langen Berichten kommen mehrheitlich solche Passagen vor wie “glauben” , “denken” oder auch “aus glaubwürdigen Quellen erfahren”. Eher selten liest man darin “habe gesehen” oder “war Zeuge von”. Die forensische Sprachwissenschaftlerin Dr. Nicci MacLeod dazu: “Wir konnten deutliche Unterschiede in der Nutzung feststellen, als wir die Wortgruppen “hören” und “sehen” verglichen. Die Unterschiede waren bei den schlimmsten Vorfällen am grössten.”

Die 8000 Zeugenaussagen, in 31 Bänden zusammengefasst, waren 1741 von Bischof John Sterne dem Trinity College geschenkt worden. Trotz teilsweise unleserlichen Stellen und fehlerhafter Rechtschreibung stellen sie wertvolles Material für Forscher dar.

Bildnachweis: wikimedia

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