Erzbischof wäscht Missbrauchsopfern demütig die Füsse

21. Februar 2011 | Von | Kategorie: Religion

Am 20. Februar wurden hier, in der Pro-Cathedral Dublin, die Missbrauchsopfer gewürdigt.

Der Erzbischof der Diözese Dublin, Diarmuid Martin, setze gestern während eines Gottesdienstes in Dublins “Pro-Cathedral” ein demütiges Zeichen der Entschuldigung, indem er einigen Opfern von sexuellem Missbrauch durch katholische Geistliche die Füsse wusch.

In der bis auf letzten Platz vollen Kathedrale sprach er gestern zuerst zu Hunderten Gläubigen, dann entschuldigte er sich sich in der bis dato deutlichsten Geste für die unrühmliche Rolle der Kirchenoberen beim Umgang mit Missbrauchsopfern.

“Für einen Erzbischof war es ziemlich bescheiden, sich so vor uns auf die Knie zu werfen”, sagte D. McGavin dazu. Der heute 39 Jahre alte Mann war als Bub vom Pfarrer seiner Gemeinde in Dublin missbraucht worden. Drei Opfer hielten sich weinend an den Händen, während Diarmuid Martin ihnen Wasser auf die Füsse schenkte und wieder abtrocknete. Andere wiederum starrten ausdruckslos ins Nichts. “Heute war für mich der Tag meiner Befreiung. Ich glaubte nicht mehr, den Tag zu erleben, an dem die Kirche sich zu Ihrer Verantwortung für unsere erlebten Schrecken bekennen würde”, sagte ein 63jähriger Mann, der aber anonym bleiben wollte.

“Für unser Verheimlichen von Missbrauch und dafür, dass dadurch noch mehr Kinder zu Opfern werden konnten, bitten wir Gott um Verzeihung”, sagte der Erzbischof vor der Gemeinde.  In einem Bericht der irischen Regierung von 2009 über weitverbreitete sexuelle und andere Misshandlungen durch katholische Priester in den Jahren von 1975 bis 2004 stand, die Kirche habe wie besessen versucht, Missbrauchsfälle zu verschleiern.

Anderen Opfern bedeutet die Entschuldigung des Erzbischofs hingegen wenig. Der 78jährige M. O’Brian nach dem Gottesdienst dazu: “Das heute waren hohle Worte.” Er hatte zuvor die Messe unterbrochen und der Gemeinde davon erzählt, wie er als mit fünf Jahren von einem Pfarrer nackt ausgezogen worden war, unter eiskaltes Wasser getaucht und dann auch noch ausgepeitscht worden war. Er hält den speziellen Gottesdienst mit der Fusswaschung für reine Öffentlichkeitsarbeit seitens der Kirche. Er frägt: “Weshalb hat sich der Pabst noch nicht bei uns entschuldigt? – Füsse waschen allein wird uns unseren Seelenfrieden nicht wieder bringen.”

Bildnachweis: flickr (Neil Dorgan)

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