Wieder einmal: Galway’s “Rag Week” läuft aus dem Ruder

6. März 2011 | Von | Kategorie: Gesellschaft, Polizeibericht

Der Quadrangle, der älteste Teil der Uni Galway

Zahlreiche alkoholbedingte Zwischenfälle und einer Zahl von über 35 Festnahmen während der am Freitag zu Ende gegangenen “College Week” könnten nach vielen Jahren das Ende der traditionellen Studentenveranstaltung in Galway bedeuten. Während die “Student’s Union” lediglich eine “kleine Minderheit” der Studenten für die Vorfälle verantwortlich machte, hat Uni-Präsident Jim Browne die Nase voll – er will das dauerhafte Aus für die College Week.

Hazel Park im Stadteil Newcastle ist nur wenige Gehminuten vom NUI Galway entfernt, viele der hier stehenden Einfamilienhäuser beherbergen Studenten-WGs, in denen es auch während des Semesters mal die eine oder andere Party geben kann. Doch was Rentner Martin Jennings in dieser Woche im Hazel Park erleben musste, kann dieser nur mit dem Adjektiv “schockierend” beschreiben.

“Am Mittwochabend waren 150 Leute in einem der Häuser und die Anwohner wurden aufs Übelste angepöbelt. Die waren einfach überall, haben gekreischt und geschrien und Flaschen durch die Gegend geworfen. Das war schockierend, die haben jeden beschimpft, sogar die Polizisten,” erinnert sich der im Rollstuhl sitzende 68-jährige. “Am Ende der Straße ist eine junge Familie mit vier sehr kleinen Kindern eingezogen. Der Mob hat sich einen Spass daraus gemacht, Flaschen an ihrem Auto festzumachen. Sie können gerade ihr Haus nicht verlassen.”

Jennings hat vier Überwachungskameras auf seinem Grundstück. Während der Unruhen konnte er so unter anderem zwei Mädchen beaobachten, die auf dem Dach eines abgestellten Autos tanzten. Der Rentner ist sich allerdings bewusst, dass nicht alle Studenten dem betrunkenen Mob angehören. “In den Häusern hier gegenüber wohne 14 oder 15 Jungs, aber die sind alle in Ordnung. Die fragen mich sogar immer, ob es mir gut geht und ob sie mir irgendetwas besorgen können.”

Auf Facebook warnte die Student's Union davor, sich daneben zu benehmen.

Die diesjährigen Exzesse stellen einen traurigen Rekord dar. Zwar hieß es in einem offiziellen Bericht der Polizei, es sei “relativ ruhig” geblieben, die 37 Festnahmen und acht Anklagen vor dem Galway District Court, sprechen jedoch eine andere Sprache, und blieben nur knapp hinter dem Negativrekord von 42 Festnahmen zurück.

Galways Garda Hauptquartier in der Mill Street verzeichnete ein erhöhtes Aufkommen an Beschwerden, der ernsthafteste Zwischenfall wurde im Studentendorf Corrib Village registriert, wo Studenten Feuerwehrleute mit Flaschen bewarfen, die versuchten ein illegales Freudenfeuer zu löschen. “Das zehrt an unseren Reserven, wir versuchen einen normalen Level unserer Polizeipräsenz zu bewahrenm aber unsere Kollegen müssen Überstunden schieben, um diesem Ausmaß an Einsätzen in dieser Woche begegnen zu können,” erklärte ein Gardasprecher.

“Eine Minderheit” sei es, die den 17.000 in Galway lebenden Studenten einen schlechten Ruf verschafften, erklärte Peter Mannion, Vorsitzender der Student’s Union in Galway. “Wir versuchen Maßnahmen umzusetzen, die die Verhaltensmuster beeinflußen und verbessern können, aber wir glauben, dass es besser ist, eine organisierte und überwiegend auf dem Campus stattfindende College Week zu haben, als ein Event ohne ein solches regelndes Rahmenwerk,” argumentierte Mannion weiter und verwies auf die große Spendensumme, die durch die Veranstaltungen der College Week eingenommen werden konnte.

Das Spendenargument will Dr. James Browne, Präsident der Uni Galway gar nicht mehr hören. Er fordert, das Spendenaufkommen von rund 20.000 Euro den entstandenen Schäden, den notwendigen Reinigungskosten der Stadt und den Einsatzstunden der Polizei gegenüberzustellen. Browne verwies darauf, dass das College schon vor drei Jahren aufgrund ähnlicher Vorfälle jegliche Verbindungen mit der Ragweek gekappt hatte und riet der Student’s Union jetzt dasselbe zu tun.

In seinem Statement betonte Browne übereinstimmend mit dem Student’s Union-Vorsitzenden, dass die Mehrzahl der NUIG Studenten sich ordentlich verhalten und “in keinster Weise in das asoziale Benehmen dieser Woche verwickelte seien” und verwies auf eine Ursache für die Unruhen. “Dieses Event fungiert als Location für solche Exzesse. Wir haben es nicht nur mit einer Minderheit von Idioten unseres eigene Colleges zu tun. Was dieses Jahr – wie auch in den vorangegangenen Jahren – passiert ist, ist dass hundert von Spinnern mit Bussen von außerhalb nach Galway gekarrt werden. Das muss einfach aufhören!” fordert der Uni-Präsident.

“Rag Weeks” haben an irischen und englischen Universitäten eine lange Tradition. Mit einer Reihe von Veranstaltungen, sportlichen Wettbewerben, Konzerten und Partys werden (Sponsoren-) Gelder für allerlei wohltätige Zwecke gesammelt. Traditionell finden die abendlichen Veranstaltungen in naheliegenden Pubs eine feuchtfröhliche Verlängerung, so dass Lehrveranstaltungen während der Rag Week oftmals nur ein reduziertes Auditorium anziehen können.

Nachdem das College lange Jahre die Rag Week mitunterstützt hatte, zog sich die Universität vor drei Jahren nach einer stetig steigenden Zahl alkoholbedingter Exzesse völlig aus der Verantwortung zurück. Die Student’s Union versuchte fortan, die Rag Week in ein strengeres Korsett zu zwängen, um weitere Ausuferungen zu verhindern. So wurden beispielsweise viele Veranstaltungen von den ehemals über die Stadt verteilten Locations auf den Campus geholt, offizielle Rag Week-Events wurden nur noch ohne Alkoholausschank durchgeführt und um die neue Ära auch sichtbar zu kommunizieren erhielt die “Rag Week” einen neuen Namen und nannte sich fortan “College Week”.

via Irish Times und Inside Ireland

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