DVD-Tipp: Das Märchen vom Mädchen aus dem Meer

28. März 2011 | Von | Kategorie: Film & Fernsehen

Man nehme eine romantisch-mysteriöse Geschichte, reichere diese mit einem kräftigen Schuss irischer Melancholie an, rühre das Ganze kräftig um und füge sodann einen kernig-schönen Ex-Säufer und eine junge Schöne hinzu und

Was ist dem irischen Fischer Syracuse (Colin Farrell) da nur ins Netz gegangen?

schmecke die Mischung mit verkrachten Familienverhältnissen und reichlich Ansichten der südwestirischen Küste – und wenn das alles vom richtigen “Koch” angerichtet wird, dann wird dieses Menü sogar zum Genuss.

Ich lasse mich gerne verführen, ich gebe es zu. Prospekte mit DVD- oder Blu-Ray-Sonderangeboten landen erst nach gründlichem Studium im Altpapier und wenn mir dann etwas ins Auge sticht – insbesondere etwas Irisches – dann schlägt der Jagdtrieb voll zu. So geschehen vergangene Woche, als mir in einem Laden Neil Jordans “Ondine – Das Mädchen aus dem Meer” in die Hände fiel.

Syracuse ist trockener Alkoholiker und Fischer in Castletownbere im Südwesten Irlands, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Immer öfter bleiben seine Fangkörbe und Netze leer und auch mit dem Familienleben steht es nicht zum besten. Seine Exfrau säuft sich mit dem neuen Lover durch die Pubs und seine Tochter Annie darf er nur sehen, wenn er sie allwöchentlich zur Dialyse begleitet.

Syracuse hat also allen Grund depressiv zu sein, wenn er von seiner kargen Hütte aus mit dem alten Kutter aufbricht um an der wildromantischen Küste von West-Cork dem Fischfang nachzugehen. Doch eines Tages mach er einen seltsamen Fang, in seinem Netz zieht er eine junge Frau aus dem Wasser. Die Fremde ist geheimnisvoll, will von niemandem gesehen werden, doch irgendwie bringt sie Syracuse Glück.

Syracuses Tochter kommt Papas Bekanntschaft auf die Spur und freundet sich mit ihr an. Für sie ist klar, die junge Frau ist ein “Selkie”, ein Meereswesen, halb Seehund und halb Mensch. Ihr gefällt Ondine, wie sich die Unbekannte nennt, und will, dass die vermeintliche “Selkie”-Frau bei Syracuse bleibt. Doch Ondine hat ein dunkles Geheimnis.

Neil Jordan lässt den Zuschauer seinen Film erleben, wie einen Besuch in einem alten Pub. Die grauen Wolken des Himmels von West Cork hängen über ständig über Syracuse (Colin Farrell) und dem Städtchen Castletownbere wie sich einstmals in der Zeit vor dem Rauchverbot die Rauchschwaden unter dunklen Holzbalken sammelten und die Melancholie des einsamen Fischers ist so präsent wie ein Seannos-Sänger, der zum dunklen Guinness eine traurige Ballade zum besten gibt.

Mit Ondine, gespielt von Alicja Bachelda, kommt die schon fast verloren geglaubte Romantik in Syracuses Leben zurück, er verliebt sich in die rätselhafte junge Frau. Wer “Ondine – Das Mädchen aus dem Meer” als Film einordnen will, der tut sich dabei genauso schwer, wie Syracuse mit Ondine. Der Film ist ein Märchen aber auch eine gefühlvolle Liebesgeschichte, eine witzige Komödie und eine wahrhaft dramatische Erzählung und vielleicht ist er deshalb so typisch irisch.

“Ondine” ist ein ruhiger Film mit schön komponierten Bildern, gut gecasteten Darstellern und einer bis zum Schluss fesselnden Story. Ein Kauf, den ich nicht bereut habe.

Bildnachweis: Concorde Entertainment

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