Chris de Burgh: Der große kleine Mann und seine Familie

7. April 2011 | Von | Kategorie: Musik

Seit mittlerweile 40 Jahren ist der irische Sänger und Liedermacher Chris de Burgh auf den Bühnen der Welt zu Hause. Mit seinem 18. Studioalbum “Moonfleet & other stories” tourt der “Storyman” zur Zeit durch die deutschsprachigen Lande. Gaelnet-Redaktionsmitglied Tom Bruetting hat das Konzert in München besucht. Hier ist sein Bericht.

Irgendwie sind Chris de Burgh-Konzerte wie Familientreffen, auf denen der geliebte Opa jedes Jahr dieselben ollen Kamellen zum Besten gibt und damit seine Kinder und Enkel auch bei der 65. Wiederholung aufs trefflichste unterhält. Von Zeit zu Zeit streut er neue Anekdoten dazwischen, die zwar auch begeistert zur Kenntnis genommen werden, aber wenn sie ehrlich sind, warten sie doch eigentlich auf die guten alten Schenkelklopfer.

Nun gut, im 21.Jahrhundert sind wir weit davon entfernt einen quicklebendigen 63-jährigen als “Opa” zu bezeichnen, aber zumindest in der Münchner Olympiahalle ist das die Rolle, die dem kleinen Iren de BUrgh auf den Leib geschneidert ist, und das umso mehr, als sein neuestes Werk “Moonfleet” die Vertonung einer Piraten- und Schmugglergeschichte ist. Hier ist er in seinem Element, der “Storyman”, wie er sich selbst in einem wenige Jahre zurückliegenden Song porträtierte.

Und seine Familie ist auch gekommen. Es ist eine große Familie und wirklich alle Generationen sind beim Treffen in der Olympiahalle vertreten. Gut, die Damen zwischen 40 und 60 sind da leicht in der Überzahl, aufgestylt, als ginge es auf eine Hochzeit – vermutlich am liebsten ihre eigene mit dem kleinen Barden von der grünen Insel.

Als der Opa, pardon, Chris de Burgh schließlich die Bühne auf der Olympiahalle betritt, zwischen Fischernetzen und Holzfässern ans Mikrofon tritt und beginnt, seine Schmugglergeschichte zum Besten zu geben, da lauscht sein Publium aufmerksam, höflich. Ist halt eine neue Geschichte. Vielleicht liegt die nur zögerlich aufkommende Stimmung aber gar nicht an der neuen Geschichte, sondern an der fast komplett bestuhlten Arena. Ja, nicht nur der Opa, auch seine Familie ist in die Jahre gekommen.

Nein, es liegt weder am Opa, noch am Alter, noch an der Familie – kaum wird mit “Missing you” der erste Klassiker hervorgezaubert, da steht, tanzt und klatscht die ganze Halle und feiert den Geschichtenerzähler auf der Bühne. Ja, die deutschen Fans sind seine treuesten, sagt auch Mr. de Burgh.

“Wer Musik machen will, muss mit ganzem Herzen dabei sein, das glauben, was er singt”, sagt der Sänger in einer Zwischenmoderation, nachdem er sich wie bei jedem Konzert den Szenenapplaus des Publikums für die Border-line Textzeile “I will never know how men can see the wisdom in a war” abgeholt hat. Und man glaubt ihm, dass ihn die Wunden schmerzen, in die er musikalisch seine Finger legt, auch wenn oder gerade weil er weiß, dass auch er und seine Geschichten nichts daran ändern können.

Und noch etwas glaubt man ihm: Dass da auf der Bühne ein Mann steht, der zwar mit der Musik sein Geld verdient, der aber gleichzeitig eine enormes Vergnügen aus dem schöpft, was er da für sein Publikum tut. Chris de Burgh macht es Spass, seine Fan-Familie zu unterhalten, ihnen einen schönen Abend zu bereiten und nie kommt das Gefühl auf, der Entertainer auf der Bühne quäle sich nur durch eine lästige Routine.

Nach zweieinhalb Stunden, einem ausgiebigen Ausflug durch die Sitzreihen der Arena ist ein bestens unterhaltenes Münchner Publikum “High on Emotion”. Die Sitzordung ist längst aufgelöst, vor der Bühne tanzen hunderte Fans begeistert.

Und alle, wirklich alle sind sich sicher – beim nächsten Familientreffen da werden sie aller wieder dabei sein. Sie werden sich wieder über jede neue Geschichte freuen und doch insgeheim vor allem auf die guten alten Klassiker warten. Ja, ich auch!

Und weil unsere Suchmaschinenauswertung uns unter dem Siegel der Verschwiegenheit verraten hat, dass die von Chris de Burgh auf der Moonfleet-Tour gespielten Lieder verzweifelt gegoogelt werden, hier die Setlist vom Konzert in München:

Overture & V/O, Light on the bay, Have a care, Go where your heart believes, Missing you, Ship to shore, A Spaceman came travelling, Spanish Train, My heart’s surrender, Treasure and betrayal, Moonfleet Bay, The storm, The Leader

PAUSE

When winter comes, The road to freedom, The words I love you, Borderline, Why Mona Lisa smiled, People of the world, CdeB-SOLO, Shine on, Lady in red, Africa, Everywhere I go, Don’t pay the Ferryman, Say goodbye to it all, The getaway, High on emotion, Go where your heart believes

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