Dropkick Murphys – wie klingt ein irischer Dampfhammer?

26. April 2011 | Von | Kategorie: Musik

Al Barr voll in Aktion

Aus der irischsten Stadt der USA kommt ein musikalischer Export, der sich längst von seinen Vorbildern, den Pogues emanzipiert hat. Musik wie ein Dampfhammer, ein irisch klingender Dampfhammer wohlgemerkt, ist das Markenzeichen der Dropkick Murphys, die am Ostermontag zu einem von drei Gigs in Deutschland Station machten. Unser Redaktionsmitglied Thomas Brütting hat sich für Gaelnet die Gehörgänge freiblasen lassen.

Nun musste ich also 37 Jahre alt werden, um mein erstes Punkrock-Konzert zu besuchen. Die Dropkick Murphys sind mir durchaus ein Begriff, einige ihrer Werke haben es in mein CD-Regal, andere dank iTunes zumindest auf meine Festplatte geschafft. Gut, ich bin nicht in erster Linie Punkrock-Fan, aber ich mag es, wenn irische Klänge und Melodien Eingang in rockige Arrangements finden. Also warum soll ich mir die US-Iren nicht einmal live anschauen bzw. anhören, wenn sie doch quasi vor meiner Haustüre zum Konzert laden?

Gleich zwei Support-Acts haben die Murphys mit auf ihre Reise genommen, und das obwohl die sieben Bostoner an sich gar keinen Support nötig hätten. “Misconduct” aus Schweden stehen pünktlich um halb acht auf der Bühne und lassen die Halle zittern. Was die Bässe mit dem Hallenboden und meinem Körper anstellen, habe ich bisher nur einmal erlebt – als ein Luftwaffen-Tornado etwa 75 Meter neben mir mit eingeschalteten Nachbrennern seinen Startlauf begann. Bei den Murphy-Fans kommen die Schweden mit ihrem Irokesen-Drummer prächtig an, im Zentrum vor der Bühne hüpft die Menge wie ein Mann zu den harten schnellen Songs.

Als Ablösung stehen Devil’s Brigade an, eine Drei-Mann-Combo um den Rancid-Bassisten Matt Freemann, die im Zenith aber irgendwie den Funken nicht überspringen lassen will. Die Zuschauer unterhalten sich unter den teils monotonen Klängen, die streckenweise an eine Punkausgabe des großen Johnny Cash erinnern, oder folgen der Show der Teufelsbrigade weitgehend emotionslos.

In der Umbaupause sind sie wieder da, die Fans. Warmgetanzt, die Kehlen ausreichend mit Bier geölt,

Die Dropkick Murphys auf der Bühne im Zenith

fordern sie lautstark ihre Idole auf die Bühne. “Let’s go Murphys, let’s go”-Sprechchöre lassen die Halle wackeln wie sonst nur die Südkurve der Allianz-Arena. Doch die Murphys wissen, was sie ihren Anhängern schuldig sind und lassen sie nicht länger warten.

“Goin’ out in style” ist der Titel des im Februar veröffentlichten neuen Albums und das muss man den Mannen um Sänger und Bandgründer Ken Casey lassen – ihr Auftritt hat Stil. Hart, schnell, melodisch – die Dudelsack- und Geigen-Klänge vermischen sich mit Gitarren, Bass und der Stimme von Sänger Al Barr zum bekannten Dropkick-Sound.

Ich halte es drei Songs vor der Bühne aus, aber ich bin nunmal kein “Barroom Hero”, der sich in die Mosh Pit wirft, sondern im Verhältnis zum Gros der Konzertbesucher ein alter Sack und so trete ich während des erwähnten Songs den geordneten Rückzug an. Auch vom Hallenrand in mittlerer Entfernung zur Bühne bieten die Murphys eine tolle Show und wirklich leiser ist es auch mit Weichei-Ohrenstöpseln zwanzig Meter weiter hinten auch nicht. Dafür ist die Gefahr in einen menschlichen Autoscooter zu geraten, hier deutlich geringer.

Fast zwei Stunden feiern die Murphys mit ihren Fans eine ausgelassene Party. Zehn Songs des neuen Albums finden Eingang in die Setlist, aber auch Folk- und Murphys-Klassiker wie die “Fields of Athenry”, der “Irish Rover” oder “Captain Kelly’s Kitchen” sind Garanten für gute Laune und viel Bewegung für die Tänzer,die sich immer wieder mit hochroten Köpfen und tropfnass verschwitzt am Hallenrand erholen, nur um sich Sekunden später wieder ins hüpfende Getümmel zu stürzen.

“Kiss me, I’m shit-faced” lautet die erste Zugabe, zu der sich die Murphys erst eine Stange weibliche Fans auf die Bühne holen, später dürfen auch noch einige Jungs aus der ersten Reihe Murphy-Bühnenluft schnuppern und es ist nur allzu offensichtlich, dass nicht wenige von ihnen dem Songtitel alle Ehre machen. Dass die Murphys immer für eine Überraschung gut sind, zeigen sie, als die Fans bereits aus der Halle strömen – Licht aus, Murphys an, denn eine Zugabe geht noch. “Boys on the docks” ist dann aber doch der endgültige Rausschmeißer für die zahlreichen, teilweise über lange Strecken angereisten Fans.

Und was ist meine Bilanz meines ersten Punkrock-Konzerts? Nun, ich habe nicht Pogo getanzt, ich habe nicht mein Bierfassungsvermögen ausgereizt und ich habe mich nicht heiser gegröhlt. Aber ich hatte trotzdem – oder gerade deswegen? – einen unterhaltsamen Abend und viel Spass. Die Murphys sind auf jeden Fall ein Erlebnis, das die Fahrt nach München wert war.

Und noch ein Tipp für alle, die die Murphys verpasst haben – Anfang Juli kommen die Urväter des Irish-Folk-Rock-Punk nach Deutschland. Die Pogues spielen am 5. Juli auf der Freilichtbühne in Stuttgart, am 6. Juli im Zenith in München und am 7. Juli auf dem Museumsplatz in Bonn.

Bildnachweis: Gaelnet.de / Wolfgang Hölzle

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