Bin Laden, Bin Ire, bin dann mal weg.

4. Mai 2011 | Von | Kategorie: Kommentiert

Was täten die irischen Medien eigentlich, hätte es die große Hungersnot im 19. Jahrhundert und diverse englische Strafexpeditionen mit irischen Sträflingen nicht gegeben? Ja gäbe es überhaupt irische Medien? Nunja, es gäbe sie vermutlich schon, aber neben den irgendwann schon nicht mehr nachrichtenwürdigen Fehlleistungen irgendwelcher Minister oder Taoiseachs würden es vermutlich die Meisterschaften im Herzchen-Pflügen in Ballyplougheen, der abgebrochene Zehennagel der Rose of Tralee von 1976 und die neuesten Werke von Torfschnitzer Micky Shanaghy deutlich häufigerr auf die Titelseiten schaffen. Würden! Denn glücklicherweise gab es ja besagte englische Maßnahmen zur weltweiten Distribution irischen Erbgutes.

Bin Laden im Fadenkreuz der Iren

Die englische Justiz- und Kolonialmaschinerie hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass Iren in nicht unbeträchtlicher Zahl über den Globus verschifft wurden, zum Aufbau englischer Kolonien beitrugen und dort natürlich fruchtbar wurden und sich mehrten. Und als dann in den 1840er Jahren das Hauptnahrungsmittel Kartoffel in der irischen Erde verrottete, suchten viele Iren erst ihr Heil in der Flucht und dann in den Vereinigten Staaten.

Diese irische Diaspora ist heute der wichtigste Überlebensfaktor irischer Medien, denn sie erleichtert das, was ich als als aller erstes in meinem ersten Redaktionspraktikum lernen durfte – das Lokalisieren. Soll heißen, dass man im Falle mangelnder lokaler Geschehnisse ein beliebiges Ereignis auf dem Erdenrund auf seine lokalen Auswirkungen herunterbrechen und damit noch nebenbei die eigene Bedeutung für den Fortlauf der Welt betonen kann.

Was auch passiert, irische Medien finden einen Dreh, das Thema zu Hause in Grün nochmals abzuspulen. Der erste Tote, der aus dem World Trade Center gezogen wurde, war ein irischer Priester, Prinz William heiratet in der Uniform der Irish Guards, Che Guevara war ohnehin halber Ire und so geht es weiter.

Als die Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens über die Ticker lief, war ich gerade dabei eine Nachricht für Gaelnet.de zu tippen. Mehr scherzhaft spekulierte ich für mich darüber, wie lange es wohl dauern würde, bis die Irish Times enthüllen würde, dass Navy Seal Patrick o’Reilly, dessen Eltern einst aus dem County Kildare nach Massachusetts ausgewandert waren, den tödlichen Schuss auf Bin Laden abgegeben hatte.

Doch die Realität überholte mich quasi noch während ich über meine Blödelei schmunzelte. “Obama’s Irish advisers were key to Bin Laden plan” titelte das Online-Organ der Irish-Americans am Dienstag und verkündete der Welt, dass es ja gar keine Amerikaner waren, sondern Iren, die als federführende Berater des Präsidenten den Paten des internationalen Terrors zur Strecke gebracht hatten. Federführend bei der Operation, erfahren wir, war Antiterror-Experte John o’Brennan, dessen Familie ihre Wurzeln in Galway und Roscommon hat. Da war sie wieder, die Irish Connection.

Doch wie werden die Dschihadisten der Welt reagieren? Taoiseach Enda Kenny soll mittlerweile einen Krisenstab gebildet haben, um auf eventuelle Racheakte von Al Quaida vorbereitet zu sein. Ein versteckter Bunker in den Wicklow Mountains (Geheimeingang durch Kevin’s Kitchen in Glendalough) soll der Regierung im Angriffsfall Schutz bieten.

Erste Vorschläge des Krisenstabes sind bereits an die Medien durchgesichert. Eine Verdoppelung der Parkgebühren an den internationalen Flughäfen des Landes sollen etwa Anschläge durch Autobomben unrentabel machen und gleichzeitig das irische Defizit verringern. Außerdem denkt Minister Leo Varadkar darüber nach, entlang der Trasse der geplanten Metro North spezielle “Anschlagszonen” auszuweisen, in denen Terroristen nach Genehmigung der Dublin Corporation kontrolliert Sprengsätze auslösen dürfen und so buchstäblich die Bahn für die Metro freimachen.

Und wenn das alles nicht hilft, dann wird es irischen Journalisten sicher nicht schwer fallen nachzuweisen, dass Bin Laden ja eigentlich auch irische Wurzeln hatte!

Bildmontage: Gaelnet.de

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