Zuviel “Fair City” für deutschen Botschafter in Irland

9. Mai 2011 | Von | Kategorie: Film & Fernsehen, Politik

Ein Nachbarschaftsstreit lässt Fans des irische Soap-Dauerbrenners “Fair City” zittern. Weil er sich vom Lärm des Filmsets des TV-Klassikers belästigt fühlt, machen Nachbarn des “Carrigstown”-Sets Front gegen den produzierenden Sender RTE, sogar die Gardai musste des nachts schon für Ruhe sorgen. Kopf der Beschwerdeführer ist indes kein geringerer als Busso von Alvensleben, der deutsche Botschafter in Irland.

Der fiktive Dubliner Stadtteil “Carrigstown” liegt der Handlung zufolge zwar im Norden von “Dublins Fair City”, das Filmset befindet sich jedoch seit dem Fall der ersten Klappe im Jahr 1989 in Donnybrook im Süden der irischen Hauptstadt. Dort, an der Seaview Terrace hat auch der deutsche Botschafter Busso von Alvensleben seine Residenz.

Dort hadert der ehemalige Protokollchef von Richard von Weizsäcker mittlerweile mit dem, was an vier Tagen in der Woche 500.000 irische Fernsehzuschauer glücklich macht. Denn unmittelbar hinter der Grundstücksmauer des Botschafters und seiner Nachbarn liegen die falschen Fassaden von Carrigstown. In einem scharfen Brief an die Verantwortlichen des staatlichen irischen TV-Senders RTÉ machte Alvensleben seinem Ärger Luft über den Lärm der Handwerker, die “zu jeder Tages- und Nachtzeit” an den Fassaden arbeiteten. So sei die Familie des Botschafters schon mitten in der Nacht durch Gehämmer geweckt worden, auch mussten Gardai schon einmal den Schlaf der Botschafterfamilie schützen.

In einer weiteren Eingabe beklagt ein Anwalt der Botschaft, dass seit Jahren Planungsvorgaben für das Filmset mißachtet worden wären, und warf Sicherheitsbedenken auf. “Die Gäste des Botschafters, egal ob nun bei privaten Anlässen oder offiziellen Empfängen befinden sich ständig in Hör- und Sichtweite des Filmgeländes von wo man das Anwesen unseres Mandanten wie auch kommende und gehende Personen beobachten kann, was ein nicht akzeptables Sicherheitsrisiko darstellt”, schreiben die Anwälte von Alvenlebens.

Das Problem für RTÉ: Die zuständigen Behörden haben seit der Errichtung der Bauten 1992 immer nur zeitlich auf ein Jahr befristete Genehmigungen für die Kulissen erteilt, zuletzt wurde im Juli eine Verlängerung der Genehmigung beantragt. An zwei Tagen in der Woche wird dann in Carrigstown gedreht, meist von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Durch die Beschwerden des Botschafters und weiterer Anwohner der Seaview Terrace stand der Fortbestand der Kultserie, deren 3000. Folge im Herbst über irische Bildschirme flimmern soll, ernsthaft auf der Kippe.

RTÈ argumentierte, dass kurzfristige Verlängerungen der Genehmigungen den langfristigen Bestand der Serie gefährden könnten. Der Sender erklärte, man würde sich mit einer Verlängerung um drei Jahre einverstanden erklären, einer Frist, binnen derer das Filmset in die derzeit im Bau befindlichen RTÉ Studios verlagert werden könne.

Außerdem erhob RTÈ Einspruch gegen den Bescheid lediglich einmal im Monat länger als bis 17 Uhr filmen zu dürfen. Die Entscheidung würde die Produktion unverhältnismäßig beeinflussen und durch erforderlich werdende, alternative Drehort die Produktionskosten erhöhen.

Das salomonische Urteil der Planungsbehörde: Die Genehmigung für die Julissen wurde um drei Jahre verlängert. Zweimal im Monat darf “The Fair City” die Drehzeiten über 17 Uhr hinaus bis 22 Uhr verlängern. Etwaige Änderungen bedürfen der vorherigen Genehmigung.

Ein RTÉ-Sprecher begrüßte zwar die Verlängerung der Genehmigung, erklärte aber, man müsse die Konsequenzen der neuen Drehzeiten erst intern prüfen. Ein Statement des deutschen Botschafters zu den neuen Regelungen gibt es bisher nicht.

via irishexaminer.com
Bildnachweis: rte.ie

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