Ehemaliger Taoiseach Fitzgerald stirbt in Dublin

19. Mai 2011 | Von | Kategorie: Dublin, Politik

Der zweimalige Taoiseach und ehemalige Fine Gael-Vorsitzende Garret Fitzgerald ist am Donnerstagmorgen im Mater Private Hospital in Dublin im Alter von 85 Jahren gestorben. Fitzgerald war Anfang des Monats in schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Weggefährten und politische Gegner würdigten den ehemaligen Taoiseach in ersten Trauerbekundungen als leidenschaftlichen Politiker und Patrioten.

Die Politik war Garret Fitzgerald gewissermaßen schon in die Wiege gelegt worden, war doch sein Vater Desmond Fitzgerald der erste Quasi-Außenminister des jungen irischen Freistaats nach dessen Loslösung von Großbritannien und später Verteidigungsminister und Senator.

Und auch ein wesentlicher Bestandteil von Fitzgeralds politischem Wirken, sein Bemühen um Frieden und Ausgleich zwischen den (nord-) irischen Konfliktparteien ist in der Familie zu finden. Garrets Mutter entstammte einer nordirisch-protestantischen Familie, der katholische Vater kämpfte 1916 im GPO in Dublin.

Doch zunächst zog es den jungen Garret Fitzgerald an die Universität wo er Rechts- und Wirtschaftswissenschaften studierte. Im Anschluss arbeitete er im Management der staatlichen irischen Fluggesellschaft Aer Lingus und als Journalist für u.a. für die Irish Times, bevor er als Dozent für Wirtschaftswissenschaften am University College Dublin lehrte.

1965 wurde Fitzgerald in den Seanad gewählt, 1969 gewann er seinen ersten Sitz im Dáil. Seine politische Frühzeit in der Fine Gael war geprägt von steten Spannungen zwischen Fitzgerald und seinem innerparteilichen Konkurrenten Liam Cosgrave, unter dem Fitzgerald schließlich Außenminister wurde. In der Regierungsarbeit verbesserte sich das Verhältnis schließlich und gemeinsam führten sie Irland unter anderem in seine ersten Vorsitz im Europarat.

Nach einer dramatischen Wahlniederlage der Fine Gael 1977 trat Cosgrave als Parteichef zurück, der Weg wa frei für Fitzgerald und den wohl prägendsten Widerstreit zweier irischer Politiker – zwischen Garret Fitzgerald und seinem Fianna Fáil Rivale Charles Haughey.

Fitzgerald belebte die Fine Gael neu, brachte junges Blut in die Parteiführung und führte sie schließlich 1981 an die Macht, als er eine Minderheitsregierung mit der Labour Party und unabhängigen TD’s bildete. Weniger als 12 Monate später unterlag der Taoiseach Fitzgerald im Dail in einer Haushaltsabstimmung und bat den Präsidenten um Auflösung des Dail und Neuwahlen.

Sein Nachfolger agierte mindestens genauso glücklos und so hieß der Taoiseach schon im Dezember 1982 wieder Garret Fitzgerald. Das Hauptproblem von Fitzgeralds Amtszeit waren die schwächelnden Staatsfinanzen, eine weitgreifende Reform scheiterte jedoch am Veto des Koalitionspartners, der Labour Party.

Mit der Gründung des New Ireland Forums und der Unterzeichnung des Anglo-Irish Agreement von 1985 legte Fitzgerald mit einen Grundstein für das gegenseitige Vertrauen zwischen England und Irland und den später folgenden Friedensprozess in Nordirland.

Nach der Wahlniederlage der Fine Gael im Juni 1987 trat Garret Fitzgerald auch als Parteivorsitzender nieder, fünf Jahre später zog er sich ganz aus der Politik zurück – nun ja nicht ganz: Als Kolumnist der Irish Times analysierte Firtzgerald fortan die Regierungspolitik und gehörte zu den führenden Kritikern der Verschwendungssucht der Celtic Tiger-Jahre.

Auch politische Gegner zollten dem Verstorbenen ihre Anerkennung. “Auch wenn meine Partei nicht unbedingt in jeder politischen Frage mit Garret übereinstimmte, bewunderte ich doch immer seine Integrität, seine Fähigkeiten und seine beständige Höflichkeit und Zuvorkommenheit”, erklärte Fianna Fáil-Chef Micheal Martin, der den ehemaligen Taoiseach als engagierten und leidenschaftlichen Politiker, produktiven Journalist mit viel Sachverstand einen brillianten akademischen Geist würdigte.

Taoiseach Enda Kenny pries FitzGerald als wahren Patrioten und Inbegriff von Bescheidenheit und Ehrenhaftigkeit. “Sein Einsatz für Frieden und Versöhnung auf dieser Insel und zwischen Irland und Großbritannien legte die Saat für den Besuch von Queen Elizabeth II in Irland. Ich weiß, dass er gerne gestern Abend in Dublin Castle dabei gewesen wäre, doch leider hat ihn seine Erkrankung davon abgehalten.”

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