“Magdalene laundries”-Untersuchung: war der Staat Mittäter?

16. Juni 2011 | Von | Kategorie: Geschichte, Politik, Polizeibericht

Zwangsarbeit in der Wäscherei war in den "Magdalene laundries" üblich

Vorsichtige Zustimmung gibt es von Überlebendengruppen der “Magdalene laundries” zum Plan der irischen Regierung, ein unabhängiges Komitee zu eventuellen Verstrickungen des Staats in die Vorfälle in diesen ehemaligen Heimen für ledige Mütter einzusetzen. Das Komitee solle unabhängig besetzt werden und über alle Ministerien hinweg nachforschen können, was damals, eventuell staatlich geduldet, in den Heimen geschah. Ebenso wie die Ministerien werden alle religiösen Institutionen aufgefordert werden, alle Unterlagen zu den damaligen Heimbewohnern freizugeben.

Die Initiative der Regierung kommt nach der Aufforderung des UNO-Anti-Folter-Komitees und langen Prozessen der Überlebenden. Gestern nahm Maeve O’Rourke, ein leitendes Mitglied des “Advisary board of the Justice for Magdalenes”, kurz “JFM”,  dazu positiv Stellung: “Dieses Komitee sehen wir als einen richtigen ersten Schritt dahin, ein faires und schnelles Verfahren zu gewährleisten. Es wird sicher schon bald zu einer offiziellen Entschuldigung und konkreten Massnahmen führen, beispielsweise Entschädigungen für die Frauen. Wenn das Komitee mit den Frauen selber spricht und die richtigen Fragen beleuchtet, wird es schnell Beweise für staatliche Mitwirkung in den Magdalenenheimen finden. Die Beweise sind da und sind überwältigend.”

Vier Nonnenklöster betrieben bis 1996 diese Art von Heimen: Die Sisters of Our Lady of Charity, die Religious Sisters of Charity, die Sisters of Mercy und die Good Shepherd Sisters. Alle nennen die  “laundries” inzwischen eine düstere Geschichte der irischen Gesellschaft.

JFM-Untersuchungen haben inzwischen bereits mehrere schwere Vorwürfe gegen den irischen Staat hervorgebracht. So fand JFM heraus, dass es offizielle Verträge mit den Magdalene laundries gegeben hat. Beispielsweise zahlte der Staat Kopfpauschalen für “Problemfälle”, wenn die Magdalenenheime diese aufnahmen – und zwar noch bis in die 1980er Jahre. Das JFM fordert auch Rentenansprüche zu akzeptieren für die Zwangsarbeit, die dort geleistet wurde.

Während sich das JFM vorsichtig positiv äussert, zeigen sich andere Gruppen fürs Erste unbeeindruckt von der Regierungsinitiative: Die Gruppe “The Magdalene Survivors Together” ist enttäuscht, dass es nochmal drei Monate dauern soll, das Komitee zusammenzustellen und einen ersten Bericht abzugeben. Bei der Menge an öffentlich zugänglichen Beweisen sei dies unverständlich. Ehemalige Heimbewohnerinnen des “Bethany Home Dublin” wollen zudem endlich in den “Rechtsschutz für Opfer institutionalisierter Gewalt” aufgenommen werden.

Die sogenannten “Magdalene asylums”, in Irland auch “Magdalene laundries”, genannten Heime sollten ab dem 19. Jahrhundert ledige Mütter und Prostituierte aufnehmen. Oft wurden Frauen aber auch unter dubiosen Umständen dorthin “abgeschoben”. Die ursprüngliche Absicht der Heime war, ledigen Müttern wieder auf die Beine zu helfen und fit für ein eigenständiges Leben zu machen. Dieser gute Vorsatz wich jedoch bald schon einem Straf- und Gefängnischarakter der Heime. Etwa 30.000 Frauen sollen allein in Irland bis 1996, als das Letzte schloss, diese Heime durchlaufen haben.

Der Film “The Magdalene Sisters” aus dem Jahre 2002 hat diese Heime zum Thema. Der Film wurde vom Vatikan offiziell verboten. Und auch zeitgenössische Musiker, darunter auch der bekannte irische Liedermacher Christy Moore, haben das Thema aufgegriffen und verarbeitet:

via: irishexaminer.com
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Ein Kommentar auf "“Magdalene laundries”-Untersuchung: war der Staat Mittäter?"

  1. .
    Vergleiche die Heimgeschichte in Irland mit der Heimgeschichte in Deutschland.

    Mit Bezug auf die diesbezüglichen relevanten Medienberichte

    »Zwangsarbeit in der Wäscherei war in den “Magdalene laundries” üblich.«
    @ http://www.gaelnet.de/2011/06/16/uberlebende/

    »Irland unterstützte Zwangsarbeit für katholische Kirche«
    @ http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article113435921/Irland-unterstuetzte-Zwangsarbeit-fuer-katholische-Kirche.html

    »Katholische Mädchenheime: „Irischer Staat maßgeblich in Zwangsarbeit verwickelt“«
    @ http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/katholische-maedchenheime-irischer-staat-massgeblich-in-zwangsarbeit-verwickelt-12053793.html

    Wenn die UN-Antifolterkomitee die Praxis der Heime in Irland als voll entschädigungswürdige “Zwangsarbeit” bezeichnet, wie wohl würde ein UN-Antifolterkomitee diese von Kindern und Jugendlichen in ‘Heimen’ und ‘Anstalten’ und ‘Umerziehungslagern’ im Nachkriegsdeutschland, in West und in Ost, Jahrzehntelang SYSTEMATISCH ERZWUNGEGENE ARBEIT seitens der Betreiber und seitens des Personals dieser Institutionen bezeichnen und bewerten?
    .

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