Krawalle in Belfast – Steckt die UVF dahinter?

22. Juni 2011 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

Hässliche Szenen in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Die zweite Nacht in Folge lieferten sich vermummte Chaoten – Unionisten und Republikaner – eine Straßenschlacht untereinander und mit der Polizei. Mehrere Schüsse wurden von den Randalierern abgegeben, ein Fotograf von einer Kugel getroffen. Die Polizei vermutet die paramilitärische Ulster Volunteer Force hinter dem Angriff auf die katholische Enklave Short Strand im Osten Belfasts.

Belfasts Polizei vermutet die Ulster Volunteer Force hinter den Unruhen der letzten Nächte

Steine, Golfbälle, Molotow Cocktails – jedes Wurfgeschoß war dem Mob, der in den letzten beiden Nächten auf den Straßen von Ost-Belfast randalierte, Recht, um es auf die verhasste Gegenseite zu schleudern. Ins Kreuzfeuer geriet dabei die Polizei, die versuchte, die rivalisierenden Gruppen auseinanderzuhalten.

In Sichtweite von Samson und Goliath, den beiden berühmten gelben Brückenkränen der Harland & Wolff-Werft, südlich des Hafens liegt das Short Strand-Viertel, eine Enklave mit überwiegend katholischer Bevölkerung eingerahmt von den protestantischen Wohngebieten Ost-Belfasts. Lebensader des Belfaster Ostens ist die Newtownards Roads, entlang der sich ein Großteil der Straßenschlachten abspielte.

Ersten Ermittlungen zufolge wurden die Krawall durch maskierte Schlägerkommandos ausgelöst, die am Montagabend Wohnhäuser von Katholiken im Short Strand-Bereich mit Brandsätzen und Steinen attackierten. Binnen kürzester Zeit sammelten sich republikanische und loyalistische Gruppen in der Newtownards Road und lieferten sich eine heftige Straßenschlacht.

Paramilitärs provozieren Unruhen

Im Laufe der Auseinandersetzungen eröffneten mutmaßliche Mitglieder der Ulster Volunteer Force, die von der Polizei für die Unruhen verantwortlich gemacht werden, das Feuer auf die Polizei und die gegnerische Seite. Die nach Zahlen hoffnungslos unterlegenen Polizisten versuchten die Gruppen mit ihren Einsatzfahrzeugen auseinander zu halten (unser Bild) und erwiderten Angriffe mit Plastikgeschossen.

Nach einem weitgehend friedlichen Dienstag, flackerten die Unruhen gegen 21 Uhr am Abend wieder auf. Wieder sah sich die Polizei massiven Angriffen aus den Reihen der mehreren hundert Randalierer ausgesetzt, die auf die gepanzerten Geländewagen der Beamten sprangen, diese mit Vorschlaghämmern und Ziegelsteinen bearbeiteten, und versuchten in die Fahrzeuge zu gelangen. Auch fielen wieder Schüsse – zwei Männer, darunter ein Pressefotograf wurden ins Bein getroffen und ins Krankenhaus eingeliefert.

“Das war ein hochgradiger, lebensbedrohlicher und organisierter Aufruhrt” erklärte Chief Superintendent Alan McCrum, der die Paramilitärs der UVF als Drahtzieher der Randale identifiziert. Man untersuche derzeit, ob der Gewaltausbruch von der UVF-Führung gebilligt oder angeordnet worden sei, so McCrum. Offiziell gilt für die UVF seit 2007 ein selbstausgerufener Waffenstillstand.

Von Seiten der Polizei werden man alles tun, um eine Wiederholung der Zusammenstöße zu verhindern, erklärte McCrum. Aller verfügbaren Kräfte würden zum Einsatz kommen, sagte der Superintendent, der den tapferen Einsatz seiner Beamten würdigte. Im Zuge der Ermittlungen sollen nun die Aufzeichnungen von Überwachungskameras ausgewertet werden, um Rädelsführer und Teilnehmer der Krawalle zu identifizieren.

Politik einig in Verurteilung der Unruhen

Der nordirische First Minister Peter Robinson und sein Stellvertreter Martin McGuinness sowie der irische Taiseach Enda Kenny haben unisono die Unruhen und die in diesem Rahmen erfolgten Schüsse auf Polizisten und Fotografen aufs schärfste verurteilt.

Auch Fianna Fáil Parteichef Micheal Martin meldete sich zu Wort und nannte das Ausmaß der Krawalle “beängstigend”. Die Unruhestifter dürften keinen Erfolg haben, so Martin.

via belfasttelegraph.co.uk
Bildnachweis: Tiago Menezes

abo-direkt.ch

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