Richter Salomon von Athlone

8. Juli 2011 | Von | Kategorie: Menschliches

Ein sympatischer Richter am Landgericht Athlone schlug nun der ruchlosen Rechtsanwaltskanzlei “Wolfe” ein Schnippchen: Einen ehemaligen Koch mit knapp 38.000 Euro Schulden “verknackte” Richter Seamus Hughes zu einem Ratenplan über für gerade einmal fünf Euro pro Monat, aber dafür die nächsten 624 Jahre.

Nachdem der Richter erfahren musste, dass die ursprünglichen Schulden eigentlich nur ein 3.500 Euro Überzichungskredit und ein 10.000 Euro persönliches Darlehen gewesen waren und nun durch schlechte Beratung auf fast 38.000 Euro angewachsen waren, ging Richter Hughes offenbar “der Hut hoch”. Er äusserte sich sehr kritisch über die Schuldnerberatung “AB Wolfe Debt Recovery Solicitors “, die sich als Ableger der Riesenkanzlei “Mathieson Ormsby Prentice entpuppte: “Schämen die sich, ihre Kanzlei “MOPs” abzukürzen?” – “Wolfe” trifft es in diesem Fall offenbar sowieso besser, fand der sympathische Richter: “Dieser Mann [der Schuldner] kämpft wortwörtlich darum, sich einen Wolf von der Kehle zu halten.”

Auch die “überhöhten Aufwendungen”, wie der Richter sagte, von 510 Euro pro Prozesstag, welche die Kanzlei Wolfe veranschlagt, kritisierte Richter Hughes. Allerdings musste er zumindest diesen Punkt wieder fallen lassen. Die vorige Instanz, das Kreisgericht Roscommon, hatte die Gebühren als üblich akzeptiert.

Der ehemalige Koch, der sich selber vor Gericht vertrat, erzählte dem Gericht, dass er bereits den Offenbarungseid geleistet habe und momentan für eine Hypothek und laufende Kosten für das Haus seiner Familie zahle. Der fünffache Vater in den Vierzigern verliess das Gastronomie-Business 2002, nachdem sein Restaurant pleite gegangen war. In den 80ern hatte es der Mann bis zum Chefkoch eines grossen Dubliner Hotels gebracht und hatte, durch schlechte Beratung ermuntert, gedacht er könne die Selbstständigkeit meistern. Aber Mangel an unternehmerischer Durchsetzungskraft und eine Clique von schlechten Beratern wurden ihm zum Verhängnis.

Der Schuldner erzählte dem Gericht, wie es soweit gekommen war: “Auf der einen Seite war ich als Unternehmer nicht gut genug. Auf der anderen Seite aber gab es da diese Mafia”, und erläuterte, dass alle, sein Finanzberater, sein Restaurant-Vermieter, der Banker und sein Rechtsanwalt eine Clique waren und ihm gegenseitig die Dienste des Anderen andienten.

Innerhalb von zwei Monaten nach Eröffnung des Lokals machte sein Vermieter ihm das Leben schwer: Eine Baustelle auf einem anderen Grundstück des Vermieters, ein paar Häuser weiter, machte die Durchgangsstrasse monatelang zur Sackgasse und die Kundschaft blieb aus.

“Ich beklage mich nicht darüber. Aber es war von mir naiv und dumm.”, so der Ex-Koch, dass er sich keinen weiteren rechtlichen und finanziellen Rat geholt hatte. Über seinen Finanzberater sagte der Schuldner: “Ich bezahlte ihn gut – trotzdem musste ich meine Steuerklärung noch selber erledigen. Ein Anfänger wie ich als Unternehmer? Warum nur habe ich damals keine GmbH gemacht? – Ich habe mich bei meinen Ratgebern auf meine Menschenkenntnis verlassen. Sehen Sie sich an, wohin mich das gebracht hat.”

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