Droht päpstlichem Nuntius die Ausweisung?

14. Juli 2011 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

Erzbischof Giuseppe Leanza

Nach der Veröffentlichung des Ermittlungsberichts zur systematischen Vertuschung von Mißbrauchsfällen in der südirischen Diözese Cloyne wurde der päpstliche Nuntius ErzbischoF Giuseppe Leanza von Tanaiste Eamon Gilmore mit den Ergebnissen konfrontiert und musste die geharnischte Kritik der irischen Regierung für die “nicht akzeptable Intervention des Vatikans” in der Affäre entgegennehmen. Der Nuntius selbst zeigte sich in einem ersten Statement “erschüttert.

Der am Mittwoch veröffentlichte Untersuchungsbericht von Richterin Yvonne Murphy enthält die explosiven Details eines der größten Kirchenskandale der katholischen Kirche in Irland. Es war im Jahr 1996, als sich die katholische Kirche in Irland eigene Richtlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Mißbrauchs gab. 1997 erhielt die irische Bischofskonferenz ein Schreiben des damaligen apostolischen Nuntius Luciano Storero, in dem dieser diese Richtlinien als “study document” bezeichnete, und kirchliche Amtsträger anwies, sich im Falle von Mißbrauchsvorwürfen gegen Kleriker streng an die Vorschriften des Kirchenrechts zu halten.

2008 kam der Skandal ans Tageslicht und es zeigte sich, dass seit 1996 über zwei Drittel aller Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester nicht der Polizei zur Kenntnis gebracht wurden, in die Wege geleitete Ermittlungen wurden nicht zuletzt durch den Bischöf der Diözese John Magee gezielt fehlgeleitet.

Und so war es durchaus verständlich, dass Eamon Gilmore nicht mit deutlichen Worten in Richtung Rom sparte, als er den obersten päpstlichen Diplomaten in Irland an seinem Amtssitz im Außenministerium empfing. Die Intervention des Vatikans um Priester von der Anzeige ihnen bekannter Verbrechen abzuhalten bezeichnete Gilmore im Anschluss an das Treffen als “völlig unangemessene, unberechtigte und inakzeptable Einmischung”.

Gilmore forderte vom Nuntius eine offizielle Antwort des Vatikans auf den Bericht sowie eine Erklärung, weshalb die von den Bischöfen selbst erarbeiteten Richtlinien ignoriert wurden. Dies sei, so Gilmore eine förmliche Anfrage des irischen Staates und auch wenn man keine Frist zur Beantwortung gesetzt habe, werde man die Angelegenheit doch unmittelbar verfolgen.

Der Nuntius zeigte sich in einer ersten Stellungnahme nach dem Treffen “erschüttert über das Versagen der Kirche beim Schutz der Kinder” und sagte zu, den Untersuchungsbericht dem Heiligen Stuhl vorzulegen.

Taoiseach Enda Kenny kündigte inzwischen ein neues Gesetz an, das die Anzeige von Kindesmißbrauch verpflichtend macht, unabhängig von Position und persönlicher Umstände der betroffenen Personen. “Das irische Recht sollte nicht vor Bischofsstab oder Priesterkragen halt machen. Kenny selbst bezeichnete die Position des Vatikans in der Cloyne-Affäre als “schändlich” und deutete an, dass der Fall auch Konsequenzen für die diplomatische Vertretung des Heiligen Stuhls in Irland haben könnte.

Noch deutlichere Worte als der Taoiseach fand der Fine Gael-Fraktionsvorsitzende Charlie Flanagan, der eine Ausweisung von Nuntius Erzbischof Leanza einforderte. Wenn sich irgendeine fremde Regierung mit irischen Bürgern zum Rechtsbruch verschwöre, würde deren Botschafter ausgewiesen, so Flanagan, und er sei der Ansicht, dass man an den päpstlichen Nuntius dieselben Standards anlegen sollte.

Wie die Antwort des Vatikan auch ausfallen mag – man kann davon ausgehen, dass die irische Regierung nicht lange auf eine Antwort wird warten müssen, will sich der Vatikan nicht auch noch die Sympathien in einer der letzten katholischen Hochburgen Europas verscherzen.

via RTÉ
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