Parlament der Zechpreller

19. Juli 2011 | Von | Kategorie: Gesellschaft, Politik

Hier ein Meeting, da ein Arbeitsessen – Irlands Parlamentarier sind viel beschäftigt und lassen es sich dabei gut gehen. Auf über 70.000 Euro belaufen sich mittlerweile die offen stehenden Rechnungen, auf deren Begleichung die Bar und das Restaurant von Leinster House noch immer warten. Mit 8000 Euro stehen alleine im Februar nicht wiedergewählte TD’s in der Kreide.

Zwei Bars und ein Restaurant sorgen unter dem Dach von Leinster House für das leibliche Wohl der irischen Abgeordneten und Senatoren. Und weil in den gut geschnittenen Anzügen dicke Portemonnaies so hässliche Beulen werfen, dürfen die hohen Herren ihre Rechnungen auch mal anschreiben lassen, wovon sie auch reichlich Gebrauch machen.

Beim letzten Kassensturz der parlamentarischen Bewirtungsbetriebe gähnte Ende April ein Loch von rund 70.000 Euro – aufgehäuft von hungrigen Abgeordneten mit einem Hang zur Vergesslichkeit. Doch der Steuerzahler müsse sich nicht sorgen, heißt es aus Leinster House, er würde keinesfalls die Rechnung zahlen, außer… – ja außer der Abgeordnete scheide aus dem Leben bevor er seine Außenstände beglichen habe.

Runde zehn Prozent der offenen Beträge schulden Abgeordnete, die im Februar der Gunst der Wähler verlustig gingen und beim Räumen ihrer Abgeordnetenbüros das Bezahlen vergaßen. So verzeichnet das Kassenbuch des Dáil eine offene Restaurantrechnung über 1664 Euro und eine Barrechnung in Höhe von 240 Euro.

Insgesamt schulden nahezu zwei Drittel aller Abgeordneten der Parlamentsgastronomie Beträge zwischen 3,70 Euro und 3716 Euro. Und allen Klischees zum Trotz – die Summe aller offenen Barrechnungen beläuft sich lediglich auf 7477 Euro.

Ein Sprecher des irischen Parlaments erklärte nun nach Bekanntwerden der laxen Zahlungsmoral, dass alle derzeitigen und ehemaligen Abgeordneten mit Zahlungsrückständen angemahnt würden. “Es ist nicht Usus, dass offene Beträge abgeschrieben oder dem Steuerzahler in Rechnung gestellt werden.”

Und wie kommt es zu den hohen Anschreibebeträgen? “Von Zeit zu Zeit können Mitglieder der Parlamentskammern im Sinne einer einfacheren Zahlungsabwicklung ihre Rechnungen anschreiben lassen”, erläutert ein Sprecher von Leinster House. “Insbesondere kommt das vor, wenn Abgeordnete Gruppen aus ihren Wahlkreisen empfangen. Jedes Jahr kommen rund 100.000 Besucher nach Leinster House und ein Großteil dieser Besucher werden von TD’s oder Senatoren organisiert und durchgeführt.”

Die Großzahl der offenen Rechnungen werde übrigens am Ende jedes Monats bezahlt, hieß es weiter. Das lässt ja für das kleine Kassen loch von 70.000 Euro hoffen.

via irishexaminer.com
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