Wer ist Bischof John Magee?

25. Juli 2011 | Von | Kategorie: Politik, Religion

Bischof John Magee

Der Mißbrauchs- und Vertuschungsskandal con Cloyne hat die irische katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttert. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein hochrangiger Kirchenmann, Bischof emeritus John Magee. Wer ist dieser John Magee, wie war sein Werdegang? Gaelnet.de hat sich im Internet auf die Suche nach einem Mann gemacht, der nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt des Interesses der Strafverfolger steht.

Er ist die Schlüsselfigur des Skandals von Cloyne, Bischof John Magee. Nach dem vergangene Woche vorgelegten Untersuchungsbericht von Richterin Yvonne Murphy gilt es mittlerweile als erwiesen, dass der Bischof und sein Stellvertreter Monsignor Denis O’Callaghan federführend waren, als es darum ging Mißbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester in der Diözese unter der Decke zu halten und Ermittlungen der Garda in die Irre zu leiten.

Nähert man sich der Person John Magee in der Recherche, wird dem außenstehenden Beobachter schnell klar, das es sich bei diesem Mann nicht um einen einfachen Bischof handelt. John Magee hatte und hat Zugang zu allerhöchsten Kreisen im Vatikan, war er doch Privatsekretär von nicht weniger als drei Päpsten und er galt einst als progressiver Kirchenmann.

Der 1936 als Sohn eines Milchbauern in Newry in Nordirland geborene John wurde am katholischen St Colman’s College in Newry erzogen, bevor er mit 18 Jahren der St. Patrick’s Missionary Society in Kiltegan im County Wicklow beitrat. Er studierte Philosophie in Cork und Theologie in Rom, wo er am Saint Patrick’s Day des Jahres 1962 zum Priester geweiht wurde.

Als Missionar verbrachte John Magee sechs Jahre in Nigeria, nach seiner Rückkehr begann seine steile Karriere innerhalb der vatikanischen Mauern. Erst wurde er zum Generalprokurator der St. Patrick’s Society in Rom ernannt, kurze Zeit später zum Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Zu guter Letzt erwählte ihn Papst Paul VI. im selben Jahr zu seinem Privatsekretär.

Nach dem Tod Pauls VI. wurde John Magee auch vom Nachfolger Johannes Paul I. als Privatsekretär übernommen. Als dieser nach 33 Tagen bereits verstarb war es offiziellen vatikanischen Aussagen zufolge Privatsekretär Magee, der den toten Papst im Bett sitzend auffand. W

ie sich später herausstellte, war es jedoch eine Nonne gewesen, die den Tod des Pontifex entdeckt hatte, der Vatikan hatte jedoch die Informationen über den Tod des Papstes manipuliert. Dieses Tatsache und die nicht vorgenommene Obduktion führten zu bis heute nicht verstummenden Verschwörungstheorien. Magee selbst räumte in einem späteren Interview ein, er hätten den Papst zwar tot aufgefunden, aber hätte ihn nicht als erster tot aufgefunden. Ebenso erklärte er Jahre nach dem Geschehen, er sei im Zusamenhang mit dem Ableben des Papstes von Interpol vernommen worden.

John Magee diente auch Johannes Paul II. vier Jahre lang als Privatsekretär, bevor ihn dieser schließlich 1982 zum offiziellen Zeremonienmeister bestellte. Das Verhältnis zu seinem dritten Dienstherrn scheint überaus eng und herzlich gewesen zu sein, da Magee unmittelbar vor dem Tod Johannes Pauls II. eiligst nach Rom beordert wurde. wo er allerdings erst nach dem Tod des Papstes ankam. Später erfuhr die Öffentlichkeit, dass der Papst John Magee sein zuletzt getragenes Meßgewand vermacht hatte. Auffällig ist jedoch, dass in den Memoiren des zweiten Privatsekretärs Kardinal Stanislaw Dziwisz John Magee mit keinem Wort erwähnt wird.

Magees kirchliche Karriere in Irland begann, als er am St. Patrick’s Day 1987, also genau 25 Jahre nach seiner Priesterweihe vom Papst zum Bischof von Cloyne geweiht wurde.

Zurück in seiner Heimat profilierte er sich innerhalb der irischen Bischofskonferenz als Führungsfigur in der Modernisierung der Liturgie und erlegte großen Wert auf die Förderung des kirchlichen Nachwuchses. Magee ernannte als erster Bischof eine Frau, die Klosterschwester Emmanuel Leonard, zur Direktorin der Glaubensentwicklung und entwickelte in seiner Diözese ein kosmopolitisches Pastoralmodell nach amerikanischem Vorbild.

Aufsehen erregte Bischof Magee mit seinen Bestrebungen, das Innere der Kathedrale von Cobh neu zu gestalten, wogegen örtliche Denkmalschutzgruppen Sturm liefen. Die irische Planungsbehörde lehnte das Ansinnen schließlich ab.

Doch trotz der örtlichen Querelen in seiner Diözese galt John Magee lange Zeit als potenzieller Anwärter für höhere Würden in Rom. So spekulierte eine französische Kirchenzeitung, Magee wäre als geeigneter Kandidat für die Leitung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im Gespräch.

Ob diese Behauptung nun der Wahrheit entspricht oder nicht, der sich Ende 2008 ankündigende Skandal um von Klerikern begangene Mißbrauchsfälle und deren Vertuschung machte einer zweiten Karriere des Bischofs einen dicken Strick durch die Rechnung. Schon bald wurden Rücktrittsforderungen laut und im Frühjahr 2009 übergab Magee die Leitung der Diözese an den Erzbischof von Cashel und Emly Dermot Clifford. Im März 2010, zwei Jahre vor der offiziellen, kirchlichen Altersgrenze von 75 Jahren, entband der Vatikan John Magee offiziell von seinen bischöflichen Pflichten.

Seit etwas über einer Woche steht John Magee, der sich Gerüchten zufolge an einem unbekannten Ort in den USA aufhält, wieder im Mittelpunkt des Interesses. Der Cloyne-Report bestätigte, dass in Cloyne nicht wie vom Bischof behauptet alle Mißbrauchsfälle gemeldet wurden und sowohl Magee als auch sein Generalvikar sich geweigert hatten, bei Ermittlungen im Jahr 2006 mit der Garda zu kooperieren.

Der Cloyne-Report von Yvonne Murphy hat angedeutet, dass aus dem Vatikan unmittelbar auf das Verhalten der Kleriker von Cloyne Einfluss genommen wurde. Als Indiz wird ein vorliegender Brief des apostolischen Nuntius in Irland genannt, der schon 1997 eine Selbstverpflichtung der irischen Bischöfe zur Zusammenarbeit mit den weltlichen Strafverfolgungsbehörden zu einem “study document” abgewertet hatte. Ob und wieweit der Vatikan wirklich Einfluss auf die Vertuschungen genommen hat, das wissen nur John Magee oder der Vatikan. Die Feststellung, dass John Magee beste Verbindungen in höchste vatikanische Kreise hatte und wohl noch hat, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Bildnachweis: RTÉ
Quellen: Wikipedia und andere Quellen

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