Sänk ju for träwelling wis Ianród Éireann

26. Juli 2011 | Von | Kategorie: Verkehr

Zwei Schüler hatten versehentlich verkehrte Tickets gekauft für ihren Ausflug von Cork nach Dublin. Dies merkten aber weder die beiden 18jährigen, noch die ersten zwei Kontrolleure. Erst der dritte Kontrolleur hatte den Durchblick und erkannte den Fehler. Einsehen zeigt Iarnród Éireann jedoch nicht: Das verwirrende Preissystem ändere schliesslich nichts an der “Schwarzfahrt”.

Die Bahnkundenvereinigung “National Rail Users Ireland” kritisiert die ignorante Vorgehensweise von Iarnród Éireann. Die Lobbygruppe fordert für solche Fälle die Einrichtung einer unabhängigen Schiedsstelle.

Die beiden Freunde Chris Bohane und Tara McCarthy aus Cork sollen für ihren ehrlichen Irrtum 100 Euro Strafe plus den vollen Fahrtpreis zahlen, obwohl sie sich sicher waren, die passenden Schülerausweise für dieses spezielle Ticket zu haben und auch zwei Kontrolleure keinen Verstoss erkannt hatten. Chris sagte der Zeitung Irish Examiner: “Wir wollten keinesfalls Schwarzfahren. Der Kundendienst dieser Firma ist desaströs. Egal, womit ich in meinen Briefen an die Bahn argumentierte, es wurde alles ignoriert.”

Die Freunde hatten ein spezielles Schülerticket online gebucht, mit dem die Hin- und Rückfahrt Cork/Dublin pro Person 45 Euro kosten sollte. Während des Bestellvorgangs erschien eine Warnung auf dem Bildschirm, dass man eine gültige Iarnród Éireann Student Travel Card haben müsse, die es bei studenttravelcard.ie gibt. Chris und Tara jedoch hatten eine (immerhin international anerkannte) Irish Secondary Students Union Card, die es bei studentcard.ie gibt. An dieser Stelle verwechselten die Beiden die unterschiedlichen Kartentypen. Die Schüler glaubten, ihre Karten würden von Iarnród Éireann anerkannt.

Auf der Hinfahrt nach Dublin hatte der Schaffner dann auch nichts an ihren Unterlagen auszusetzen. Genausowenig sah der Kollege auf der Rückfahrt ein Problem. – Erst ein dritter Kontrolleur bemerkte den Irrtum. Er verpasste jedem der Freunde eine Strafe von 100 Euro plus den vollen Erwachsenenpreis von 66 Euro obenauf.

Chris schickte der Bahn einen Brief, in den er den Irrtum erklärte und legte eine Bankanweisung über 50 Euro bei, um die Differenz zum Normalpreis nachzuzahlen. Iarnród Éireann jedoch sagte, man habe strikte Anweisungen, wie mit Schwarzfahrern umzugehen sei und nahm das Geld nicht an.

Im Gegenteil fing die Bahn nun auch noch an, zu drohen: “Sie sind schwarzgefahren und haben eine Geldstrafe erhalten. Diese haben Sie nicht innerhalb der festgelegten Frist bezahlt. Sie lassen uns nichts anderes übrig, als gegen Sie gerichtlich vorzugehen”, stand in einem Brief der Bahn. Iarnród Éireann warnte in seinem Schreiben sogar vor einem möglichen Vorstrafeneintrag und einem saftigen Bussgeld.

Ein Sprecher der Bahngesellschaft widersprach sämtlichen Vorwürfen des Tarifdschungels: Der Hinweis auf die passenden Schülerkarte sei wohl mehr als eindeutig und es liege in der Verantwortung der Kunden, sich nach den Vorschriften zu richten. Darüber, dass nichtmal seine eigenen Kontrolleure das System kapieren, liess er sich wohlweisslich nicht aus.

Für Rail Users Ireland ist der Fall eindeutig, sagte deren Sprecher Mark Gleeson: “Natürlich muss Schwarzfahren bekämpft werden. Aber die Strafe muss im Verhältnis zum Vergehen stehen. Wenn man nun auch schon für Missverständnisse bestraft wird, bleiben die Züge bald leer.” Ausserdem zeige der Fall Probleme mit den Kontrolleuren als auch deren unterschiedlichen Umgang mit diesen Angelegenheiten. Gleich der erste Schaffner hätte den Fehler entdecken müssen und den Schülern eben den vollen Preis berechnen sollen.

Und da heisst es immer “Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn”. Kein Wunder, dass Jugendliche in Irland genauso wie in Deutschland ihrem Führerschein entgegenfiebern.

via:  irishexaminer.com

Bildnachweis: flickr (by Fergal of Claddagh)

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