Nuntius zurückbeordert

26. Juli 2011 | Von | Kategorie: Politik, Religion

Eine Abwärtsspirale beschreibt momentan die Beziehungen zwischen Irland und dem Vatikan.

Nach der aus der Veröffentlichung des Cloyne-Reports resultierenden heftigen und öffentlichen Schelte durch die beiden Spitzen der irischen Regierung, Taoiseach Enda Kenny und Tanaiste Eamon Gilmore, hat der Vatikan seinen Nuntius in Irland zu Konsultationen nach Rom zurückbeordert. Zugleich zeigte man sich in Rom “überrascht und enttäuscht über einige Reaktionen auf den Bericht über sexuellen Missbrauch durch Priester in der Diözese Cloyne.

Enda Kenny hatte vor etwas mehr als einer Woche in einer Rede im Dáil die “Störungen, die Abgehobenheit und das Elitedenken, das den Vatikan heute beherrscht” scharf kritisiert und auch die Möglichkeit diplomatischer Konsequenzen angekündigt, für den Fall, dass der Nuntius keine zufriedenstellenden Antworten aus Rom auf die von der irischen Regierung gestellten Fragen anbieten könne.

Vater Ciro Benedettini, der Vize-Chef des päpstlichen Pressebüros, hat bereits gestern nachmittag bestätigt, dass der Nuntius, Erzbischof Leanza, bereits in Rom sei, nachdem er zu Konsultationen bezüglich der Cloyne-Affäre zurückbeordert worden war. Der Sprecher des Vatikan sagte, man habe den Nuntius zurückgerufen, um dem Vatikan-Vertreter für Äussere Angelegenheiten zu erleichtern eine offizielle Stellungnahme des Vatikan zu den Cloyne-Report Vorwürfen abzugeben. Er sagte dazu: “Der Rückruf des Nuntius ist eine Massnahme, die der Vatikan nur selten ergreift. Dies zeigt auch en Ernst der Lage und den Wunsch des Heiligen Stuhls, diese objektiv und entschlossen anzugehen. Dies soll auch die Entschlossenheit des Heiligen Stuhls zum Ausdruck bringen, mit der [irischen] Regierung ernsthaft und effektiv zusammenzuarbeiten.”

Tánaiste Eamon Gilmore antwortete auf die Äusserung, es sei die alleinige Entscheidung des Vatikan gewesen, Erzbischof Leanza zurückzubeordern. Er sagte: “Die Regierung erwartet die Antwort des Heiligen Stuhls auf den Bericht über die Diözese Cloyne und es war zu erwarten, dass der Vatikan seine Antwort erst mit seinem Nuntius abstimmen will.”

Vor zwei Wochen hatte Minister Gilmore dem Erzbischof befohlen, eine Stellungnahme des Vatikan einzuholen, auf die Vorwürfe hin, dass der Vatikan es Priestern erlaubt hatte, vorgeschriebene Berichtspflichten bei Missbrauchsverdacht durch Klerusangehörige zu vernachlässigen. Dem päpstlichen Gesandten wurde auch eine Nachricht an dem Heiligen Stuhl mitgegeben, dass die Regierung das Verhalten des Vatikan als unehrenhaft und inakzeptabel empfinde.

Der Vatikan wurde in den Missbrauchsskandal in der Diözese Cloyne hineingezogen, als ein Brief aus dem Jahre 1997 vom Nuntius an die irischen Bischöfe sagte, die damals erst vor Kurzem verschärften Richtlinien zu Missbrauchsfällen seien lediglich ein Diskussionpapier und dass der Vatikan selber erhebliche Vorbehalte moralischer und kirchenrechtlicher Natur gegen die Richtlinien habe.

via:   breakingnews.ie

Bildnachweis: flickr (by ZeroOne)

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