David Norris – Volkes Präsident a.D.

3. August 2011 | Von | Kategorie: Kommentiert

David Norris hat seine Kandidatur für das Präsidentenamt zurückgezogen. Das war angesichts der Ereignisse der letzte Tage und der abgesprungenen Unterstützer aus dem Dáil abzusehen. Ist David Norris also an seinem Engagement für seinen straffällig gewordenen Freund gescheitert oder liegen die Gründe doch woanders?

David Norris ist in Irland bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Er, der bekennende Schwule klagte einst beim Europäischen Menschenrechtsgerchtshof gegen sein Land und sorgte dafür, dass Homosexualität in Irland nicht länger illegal war. Und folgerichtig wurde der Literatur- und Sprachwissenschaftler als erster offen homosexuell lebender Mann in ein öffentliches Amt gewählt.

Bei seiner Pressekonferenz anlässlich des Rückzugs aus dem Präsidentschaftsrennen hatte Norris erklärt, dass er zumindest bewiesen habe, dass es in Irland nun auch für einen Homosexuellen möglich sei, als würdiger Kandidat für das höchste Staatsamt angesehen zu werden.

Beim Volk hatte Norris von Anfang an große Sympathien, die Meinungsumfragen im Frühjahr sahen den engagierten Universitätsprofessor weit in Führung vor den übrigen Anwärtern. Soweit wäre also alles gut gewesen.

Doch in Irland benötigt ein Präsidentschaftskandidat die Unterstützung von mindestens zwanzig Parlamentariern oder vier Stadt- oder Bezirksräten. Trotz der starken Zustimmung in der Bevölkerung war die Unterstützung aus den Reihen der Volksvertreter eher dürftig. Vor dem Stadtrat von Galway durfte sich Norris gar nicht erst vorstellen. Und auf die Idee, Volkes Stimme bei der Wahl des Staatsrepräsentanten durch eine Nominierung des unabhängigen Norris zu würdigen, kam auch keine der großen Parteien.

Norris ist gescheitert, aber er ist nicht an seinem Einsatz für einen ehemaligen Partner gescheitert, sondern an den Vorbehalten eines politischen Establishments, das im Gegensatz zum Volk den schwulen Professor nicht im Áras an Uachtarain sehen wollte.

Sowohl die Veröffentlichung von aus dem Zusammenhang gerissenen Interviewfetzen wie auch jetzt die Lancierung der Israel-Geschichte haben, wie man im Süden Deutschlands gerne sagt, ein “Gschmäck’le” und kamen nicht zufällig. Irgendjemand wollte dem irischen Volk nicht den Präsidenten geben, der ihm selbst am besten gefallen hätte.

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