Senator David Norris wieder im Rennen um die Präsidentschaft

28. September 2011 | Von | Kategorie: Dublin, Politik

Geradezu unheimlich mutet das Comeback von Senator David Norris im Kampf um seine Präsidentschaftskandidatur an. Dienstag Abend entschied der Stadtrat Dublins, Norris als Kandidaten zu empfehlen. Erst letzten Monat hatte der Senator sich eigentlich aus dem Rennen zurückgezogen, nachdem bekannt geworden war, dass sich der bekannte Schwulenrechtler für einen Ex-Partner eingesetzt hatte, der wegen des sexuellen Missbrauchs eines 15-jährigen Jungen verurteilt worden war.

Um zur Präsidentenwahl zugelassen werden zu können, muss sich ein Kandidat in Irland die Unterstützung von sechs Stadträten oder Landkreisen bestätigen lassen. Mit Dublins Stadtrat konnte Norris den Sack jetzt zumachen. Er wird damit gegen Martin McGuinness, den Ex-IRA-Mann und fünf Weitere antreten. Norris nach der Abstimmung in Dublin: “Ich bin absolut hin und weg. Ich glaube fest, der nächste irische Präsident zu werden.”

Die Affäre um Norris Engagement für einen verurteilten Kinderschänders hatte einige seiner Unterstützer zunächst abgeschreckt, weiter für den Senator zu stimmen. Dennoch blieb Norris auch nach Bekanntwerden dieser pikanten Angelegenheit führend bei Wahlumfragen unter Bürgern. Der Labour-Mann und an der eigenen Partei gescheiterte Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur 2004, Micheal D. Higgins, setzte sich aber, offenbar erfolgreich, weiter für Norris bei den Stadträten ein: Im Ergebnis stimmten 13 Stadträte für Norris Kandidatur, sechs dagegen, 11 enthielten sich.

Während Norris nun also Rückenwind hat, bläst seinem Kontrahenten McGuinness eine steife Brise ins Gesicht: Er war während der Zeit der übelsten IRA-Anschläge ein hoher Funktionär der Organisation. Ganz anders David Norris: Er war immer offen gegen Gewalt und kritisierte die IRA dafür seit je her.

via: guardian.co.uk

Bildnachweis: wikipedia

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2 Kommentare auf "Senator David Norris wieder im Rennen um die Präsidentschaft"

  1. Warum ist Micheal D. Higgins ein “ehemaliger” Präsidentschaftskandidat? Er war noch nie einer (auch wenn er es schon einmal gerne gewesen wäre) und hat in diesem Herbst gar keine so schlechten Chancen, in den Phoenix Park umzuziehen.

    Bezüglich Senator Norris. Bei aller Sympathie, die ich für ihn habe (bis der genannte Brief ans Tageslicht kam, war er mein Favorit), sollte man sich doch einmal den folgenden Vergleich vor Augen halten:

    In der Verwaltung einer irischen Dözese arbeitet der hohe kirchliche Würdenträger Monsignore Morris, ein sehr ehrenwerter und verdienstvoller Mann. Einer seiner Freunde aus Jugendtagen steht wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Daraufhin nimmt Monsignore Morris einen Bogen Papier mit dem Briefkopf der Diözese und bittet darauf das Gericht um ein gnädiges Urteil für seinen alten Freund. Als dann der Posten des Primas der Katholischen Kirche Irlands frei wird, bewirbt sich Monsignore Morris um den Job. — Wie würden wir darüber urteilen?

    Slán agus beannacht
    Jürgen

    • admin sagt:

      Hallo Jürgen,

      danke für den Hinweis – es war mißverständlich ausgedrückt, bedingt durch das Wahlsystem. Ist man ein Kandidat, indem Moment, indem man nominiert ist , oder indem Moment, indem man selber beginnt um Nominierungen zu kämpfen? Higgins hätte gerne, durfte aber nicht. Was seine Chancen betrifft, wollen wir nicht spekulieren, erst recht nicht nach der Nominierung von Norris.

      Was Deine zweite Frage betrifft – der Monsignore käme wahrscheinlich besser weg als Norris, denn dass katholische Geistliche ständig irgendwo irgendwen für irgendjemanden um Gnade, Milde oder ähnliches bitten, ist bei der Institution Kirche quasi system-immanent. Die Gnade Gottes, Vergebung der Sünden und so weiter und so weiter.

      Letzten Endes ist es aber wurscht, wie man hie rim Süden so gern sagt, weil es schwachsinnig ist, aus dem Einsatz für einen Freund irgendwelche Geisteshaltungen abzuleiten. Nur weil ich einem Freund helfe, der im Suff einen Unfall gebaut hat, bin ich selbst noch lange kein Säufer ;-)

      Beste Grüße
      Tom

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