Viertelfinale: Irland jubelt, Italien weint

2. Oktober 2011 | Von | Kategorie: In aller Welt, Sport

Irlands Captain Brian O'Driscoll hat sein Team ins Viertelfinale geführt.

Ein irischer Traum ist wahr geworden. Beim Rugby World Cup in Neuseeland zieht das irische Team nach einem hoch verdienten 36 : 6 Sieg gegen Italien ungeschlagen ins Viertelfinale ein. Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte hatten die Mannen in Grün den Druck deutlich erhöht und den Italiener von einigen wenigen Ausnahmen keine Chance zur Gegenwehr gelassen. Im Viertelfinale trifft Irland nun auf die walisische Mannschaft.

Das letzte Spiel der Gruppe C im Forsyth Barr Stadium von Dunedin entwickelte sich zunächst als vorsichtiges, gegenseitiges Abtasten der beiden Teams. Irland hatte zu Spielbeginn mit seinem zweiten Tabellenplatz schon ein Ticket für das Viertelfinale in der Tasche, die Italiener hätten es den Iren mit einem Sieg allerdings nochmal entreißen können. Doch die erste Hälfte ließ auf beiden Seiten nicht viel Kampfgeist erkennen, das Match entwickelte sich zu einem Schaulaufen der beiden Kicker Ronan O’Gara und Mauro Bergamasco, die im Wechsel die Bälle zwischen die Pfosten traten.

O’Gara eröffnete den Kickreigen in der 8. Minuten mit dem erfolgreichen Treffer zum 3:0, drei Minuten später glich Bergamasco aus. In der 14. Minute verpasste O’Gara die Chance zur Führung, als er das Kunstleder-Ei gegen den Pfosten kickte, doch nur vier Minuten später bekam Irlands NUmmer 10 eine zweite Chance und erhöhte zum 6:3. Dieses Mal dauerte es vier Minuten, bis O’Garas italienischer Gegenpart Bergamasco ausgleichen durfte.

In der 30. Minute gelang es Bowe erstmals die italienischen Reihen zu überwinden und in die Endzone vorzudringen, doch der Schiedrichter hatte aus seiner Position einen irregulären “Forward Pass” von O’Brien zu O’Bowe gesehen ließ den Versuch nicht gelten. So musste einmal mehr O’Gara in der 35. Minute für die irische Führung und den Halbzeitstand von 9:6 sorgen, ein Strafkick von Bergamasco in der letzten Minute der ersten Hälfte landete wie schon bei O’Gara eine halbe Stunde zuvor am Pfosten.

Zweite Halbzeit: Die Iren drehen kräftig auf

Man kann nur spekulieren, was Irland-Coach Declan Kidney seinen “Boys in Green” in der Halbzeitpause an warmen Worten mit auf den Weg in die zweiten 40 Minuten gab, doch man muss feststellen: es hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Nach dem Seitenwechsel drehten Kidneys Mannen spürbar auf und erhöhten den Druck auf die italienischen Reihen, so dass O’Gara nur zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff per Strafkick zum 12:6 erhöhen konnte. Doch die nun kraftvoll aufspielenden Iren ließen den Azzurri immer weniger Raum auf dem Feld, und es war dann in der 47. Minute, als Sean O’Brien die italienische Verteidigungsreihe überlief und seinen Captain Brian O’Driscoll mit einem Traumpass bediente, so dass dieser unbedrängt den Ball im italienischen Malfeld ablegen konnte. Ronan O’Gara besorgte die fällige Erhöhung und setzte den Ball präzise zwischen die Pfosten.

Die Italiener wirkten nun sichtbar demoralisiert und der Verlust des verletzten Mauro Bergamasco trug sichtlich zur schlechten Laune bei, die sich immer wieder in offenen oder versteckten Frust-Tätlichkeiten der Italiener entlud.

Nur wenige Minuten später konnte die irische Angriffslinie über d’Arcy und Ferris den Ball bis zu ihrem Flügelspieler Keith Earls durchreichen, der quasi auf der Seitenlinie abhob, sich ins Malfeld katapultierte und sich so selbst das schönste Geschenk zu seinem heutigen 24. Geburtstag machte. Nach der Pflichterhöhung durch O’Gara schien das Spiel beim Stand von 26:6 für die Iren bereits entschieden, doch noch wollte keines der Teams im Kampf um das Viertelfinale nachlassen.

Italien versuchte dem irischen Druck standzuhalten, doch die Blauen können nicht verhindern, dass der irische Sturm nur drei Minuten nach dem letzten erfolgreichen Versuch den Ball schon wieder in die Endzone trug. Nur eine italienische Hand zwischen Ball und Boden verhinderte die Anerkennung des Versuchs.

In der 65. Minute gelang es den verzweifelt kämpfenden Italienern mit einem Einwurf in die Gasse nur wenige Meter vor der irischen Mallinie so etwas wie Gefahr für die irische Verteidigung aufkommen zu lassen, doch die fischte den Ball elegant aus der Luft, Gefahr gebannt.

Kaum war Jonathan Sexton in der 67. Minute für Ronan O’Gara eingwechselt worden, durfte er sich an einem Strafkick versuchen. Sexton verwandelte und der italienische Rückstand erhöht sich auf 23 Punkte.

Die letzte Chance auf einen Versuch, ja überhaupt auf eine Verbesserung des Spielstandes verpuffte, als die Azzurri sich vor dem irischen Malfeld eine Strafe für das Drehen des Gedränges einhandelten. Der den Iren zugesprochene Kick entschärfte die größte Chance der Italiener. Doch trotz der komfortablen Führung erhöhten die Iren selbst in den letzten Minuten den Druck. Bowe ließ den Ball mit dem Fuß in die Endzone tänzeln, schaffte es jedoch nicht den Ball dort unter Kontrolle zu bringen.

Anders sein Mitspieler Keith Earls, der sich nach einem Zuspiel von Trimble buchstäblich mit dem Schlusspfiff in die Endzone warf und das irische Weiterkommen und den Gruppensieg in der Gruppe C besiegelte.

Begeistert vom Viertelfinaleinzug zeigte sich nach dem Spiel auch der Gaelnet-Rugby-Experte John McLaughlin, Cheftrainer des Rugby-Regionalligisten Bremen 1860. McLaughlin lobte das kontrollierte Phasenspiel der irischen Stürmer und lobte das variantenreiche Kombinations- und Kurzpass-Spiel “seines” irischen Teams. “Das war eine sehr präzise Chancenverwertung durch Brian O´Driscoll und Keith Earls und außer einer guten Gasse und einem gut organisierten Maul hatte Italien dem irischen Vorwärtsdrang wenig entgegenzusetzen!”

Die Viertelfinal-Begegnungen lauten:

8. Oktober, 18 Uhr – Irland : Wales – Spielort: Wellington
8. Oktober, 20.30 Uhr – England : Frankreich – Spielort: Auckland

9. Oktober, 18 Uhr – Südafrika : Australien – Spielort: Wellington
9. Oktober, 20.30 Uhr – Neuseeland : Argentinien – Spielort: Auckland

Bildnachweis: flickr.com / Giorgio Cefaro

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