Missbrauch von Sozialleistungen – Volkskrankheit oder Einzelfälle?

13. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Gesellschaft

Das Bekanntwerden des Falles einer sechsköpfigen Familie, die über staatliche Leistungen auf ein Jahreseinkommen von über 90.000 Euro kam, beschäftigt gerade die Öffentlichkeit. Viele Kommentatoren empören sich über ein solch konsequentes Ausnutzen aller Sozialhilfezuschüsse. Eine neue Studie des Economic and Social Reasearch Institute, kurz ESRI, bestätigt solche Fälle nun zwar, zeigt aber auch die geringe Zahl derer, die durch falsche staatliche Anreize lieber in der Sozialhilfe bleiben.

Kommentatoren argumentieren, die betreffende Familie spüre bei über 90.000 Euro Sozialhife im Jahr überhaupt keinen Anreiz mehr, sich durch Erwerbsarbeit selber zu finanzieren. Aber aus einzelnen Negativbeispielen liesse sich kein genereller Trend ablesen, so das ESRI: Laut seinen Studienergebnissen würden nur drei Prozent der Sozialhilfeempfänger durch die Aufnahme einer durchschnittlichen Erwerbsarbeit finanzielle Einbussen erleiden. Hingegen würden 80 Prozent der Betroffenen durch einen Job mindestens die Hälfte mehr an monatlichen Einnahmen erreichen.

Überraschend und geradezu das Gegenteil der Schmarotzerklagen: Obwohl es zum Beispiel für Bezieher von Arbeitslosengeld Zuschüsse zu Miete oder Hypothekenraten gäbe, nutzen nur 13 Prozent der Berechtigten diese Unterstützung. Dennoch sieht das ESRI auch hier Regelungsbedarf: So verliert ein Bezieher dieser Mietzuschüsse seinen kompletten Anspruch, selbst wenn sein neuer Job sehr schlecht bezahlt ist. Im Zweifel würden Betroffene eher noch besser bezahlte Jobangebote abwarten und somit auch länger staatliche Leistungen beziehen.

Gleich gälte laut ESRI auch für das “Medical card” Programm: “Alles oder Nichts”. In diesen Fällen schlägt das ESRI eine Staffelung gemäss Einkommenshöhe vor, um den Menschen Verlustängste zu nehmen.

Die Zahlen der Studie errechnete das Institut anhand einer repräsentativen Stichprobe der irischen Bevölkerung, statt einzelne Beispiele hervorgehoben zu haben. Ansprüche auf Sozialleistungen und die Steuerlast jedes Haushalts hat die Studie nach den offiziellen Zahlen des irischen Statistikamtes ermittelt. Für Interessierte gibt es die Ergebnisse der Studie auf Englisch online.

via: rte.ie

Bildnachweis: flickr (by quixotic54)

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