Still alive, alive-o

2. November 2011 | Von | Kategorie: In aller Welt, Musik

Wenn fünf gestylte Jünglinge auf einer Konzertbühne die Massen in Ekstase versetzen, dann ist das sicher keiner zusätzlichen Erwähnung wert, Boygroups sind ein Phänomen unserer Zeit – denken wir! Im Circus Krone gaben sich fünf sympathische, weißhaarige Gentlemen die Ehre und das Publikum geriet außer Rand und Band, als stünde da die neueste und nicht die älteste Boyband der Welt auf der Bühne – denn immerhin sind die Dubliners seit 49 Jahren das bekannteste musikalische Aushängeschild der grünen Insel.

Die Dubs brauchen keine große Show, die Band ist das Event. Fünf Stühle, ebensoviele Mikrofone ein Tisch mit einer Auswahl an Getränken und ein paar bunte Spots – die Ausstattung der Bühne ist so einfach wie das Konzept der wohl erfolgreichsten Folk-Band aus Irland: Musik, handgemacht mit Banjo, Gitarre, Tin Whistle, Squeeze Box und Bodhrán. Schon mehrfach mussten die Dubliners den Weggang oder den Tod prominenter Mitglieder verkraften, doch die Fans hielten der Band in jeder (Neu-)Formation die Treue, ganz gleich ob nun Jim McCann, Ronnie Drew, Paddy Reily oder jetzt Patsy Watchorn den Frontmann gaben.

Mit 49 Jahren Bühnenerfahrung wissen die Dubs natürlich bestens, wie man ein Publikum gewinnt, da machen auch die Münchner Gäste keinen Unterschied. Schon beim dritten Song wird fleißig mitgeklatscht und getrampelt, Anheizer Patsy Watchorn, grinst zufrieden.

Barney McKenna

Doch der Held des Abends ist ein kleiner Mann mit Rauschebart und Seemannsmütze, der virtuos wie sonst kaum einer sein Banjo zum Klingen bringt. Die Augen haben infolge einer Diabetes gelitten, Barney McKenny muss von einem Helfer über die dunkle Bühne zu seinem Platz geführt werden, doch seinem Banjospiel, seinem Gesang – immer wieder ein Erlebnis: I wish I had somenone to love me – und seinen humorvollen Zwischenmoderationen tut das keinen Abbruch. “Barney, Barney” machen sich seine Fans immer wieder in Sprechchören bemerkbar, auch wenn dem 72-Jährigen solche Begeisterungsstürme sichtlich peinlich sind.

Die zweite Hälfte des Konzerts beginnt mit mehreren ruhigen Stücken, darunter auch eine Komposition von John Sheahan mit einer bewegenden Geschichte. Das Violonstück war schon vor 30 Jahren entstanden aber bisher nie aufgeführt worden – bis zum 22. Juli 2011, dem Tag des Massakers von Utoya. Die Dubliners sind an diesem Tag in Norwegen, sollen in Hardanger auftreten. Man überlegt, den Gig abzusagen, doch die Veranstalter setzen auf die tröstende Wirkung der Musik. Der Auftritt findet statt, “Farewell to Hardanger” ist die musikalische Erinnerung, gewidmet den Opfern von Utoya.

Wie bei einem Feuerwerk kommen auch bei einem Dubliners-Konzert die großen Kracher ganz zum Schluss. “Dirty old town”, “Whiskey in the jar” (Sean Cannon: “We learned that tune this morning from youtube from a band called Metallica”), der immer wieder gern genommene “Wild Rover” und die Geschichte von Molly Malone geleiten das Publikum, das vielstimmig in die Refrains einstimmt, nach drei Stunden Konzert aus dem Circus Krone.

Das Publikum wird wiederkommen, die Dubs auch, nächstes Jahr, zu ihrem 50. Bühnenjubiläum. Denn diese Boyband ist in der Tat noch sehr “alive, alive-o”!

Die Tour der Dubliners geht weiter…
- am 02.11.11 in Nürnberg / am 03.11.11 in Stuttgart
- am 04.11.11 in Merzig / am 05.11.11 in Dortmund
- am 06.11.11 in Göttingen / am 08.11.11 in Dresden
- am 09.11.11 in Halle / am 10.11.11 in Braunschweig
- am 11.11.11 Berlin / am 23.11.11 Hannover
- am 25.11.11 Bielefeld / am 26.11.11 Aurich
- am 27.11.11 in Beverungen / am 28.11.11 in Lübeck
- am 30.11.11 in Bremen / am 01.12.11 in Stade
- am 02.12.11 in Flensburg / am 03.12.11 in Hamburg

Bilder: Gaelnet.de

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Ein Kommentar auf "Still alive, alive-o"

  1. [...] in Hamburg für gute Laune und vermutlich auch gut gefüllte Konzertsäle, ähnlich wie beim Tourneeauftakt in München (Gaelnet.de [...]

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