Befördert RTÉ Standesdünkel in seinen Berichten über Kriminalität?

6. November 2011 | Von | Kategorie: Film & Fernsehen

Shrewbury Road in Dublin: Verbirgt sich hier das Verbrechen hinter schicken Fassaden?

Auf einem Symposium der Universität Limerick warf TV3-Moderator Vincent Browne dem staatlichen Fernsehsender RTÉ vor, bei seiner Berichterstattung über Verbrechen in Klassendenken zurück zu fallen. Ganze Stadtviertel würden als Brutstätten der Kriminalität abgestempelt.

Browne, der das Symposium leitete und sowohl bei TV3 moderiert als auch Kolumnist bei der Irish Times ist, ging hart ins Gericht mit den Medien insgesamt. Vom Luxuswohnviertel Shrewsbury Road in Dublin breite sich bestimmt mehr Unheil aus, als von so manch stigmatisierter Gegend in Lande, auf die sich die Medien schon eingeschossen hätten: “Ich glaube, dass in dieser Strasse mehr Unheil pro Kopf für unsere Gesellschaft angerichtet wird, als in irgendeiner ähnlichen Strasse im ganzen Land. Trotzdem wird über diese Strasse nie als “Problembezirk” berichtet.” Browne bezeichnete dies als verzerrte Wahrnehmung infolge von alten Klassen-Denkmustern.

Browne räumte zwar ein, auch sein Arbeitgeber TV3 sei nicht immun, was die Kritikpunkte angehe, betonte jedoch, die Vorreiterrolle RTÉs. “Die verschiedenen Aspekte der Kriminalität werden von RTÉ zum grössten Teil verzerrt wiedergegeben”, sagte Browne. Gerade bei Drogen- und Sexualdelikten gäbe es grosse Unsicherheiten bezüglich der wahren Fallzahlen – dieses Thema würde RTÉ jedoch nie aufgreifen.

Die Folgen für Menschen, welche in solch stigmatisierten Vierteln wohnten, schilderte Dr. Eoin Deveraux, Chef-Soziologe der Uni Limerick: “Wir kennen inzwischen alle was wir das “Adress-Syndrom” bezeichnen: Es gibt profunde Beweise aus internationalen Studien, die uns sagen, dass die Stigmatisierung von ganzen Nachbarschaften seitens der Medien und Anderen lang anhaltende Effekte darauf haben kann, wie sich die Bewohner vor Ort selber wahrnehmen und von Anderen wahrgenommen werden.” – Man darf wohl davon ausgehen, dass es sich bei diesen Folgen nicht um eine Aufwertung in der Einschätzung handelt.

via: irishtimes.com

Bildnachweis: flickr (by vivido)

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