Kenny-Merkel Treff: Symbolpolitik für die Daheimgebliebenen

16. November 2011 | Von | Kategorie: Politik

Enda Kenny (li.) im Gespräch mit Angela Merkel (re.)

Enda Kenny wird heute mit vollen militärischen Ehren in Berlin empfangen. Nicht ohne Hintergedanken jedoch werden sich die beiden Staatsführer heute gegenseitig umschmeicheln. Einerseits will Kenny bei Angela Merkel für lockerere Konditionen beim laufenden Irlandrettungsplan nachverhandeln – andererseits will Merkel ihren  Deutschen Irland als Vorzeigemodell für protestantische Tugenden wie Selbstbeschränkung und Fleiss vorführen.

Irland musste als Erstes unter den EU-Rettungsschirm flüchten. Doch inzwischen gilt es als der Vorführwagen im EU-Fuhrpark. Angela Merkel, die zuhause selber um Disziplin bei Partei und Bürgern kämpfen muss, will mit Irland den Deutschen vorführen, dass harte Einschnitte Länder durch die Krise bringen können. Die Bewunderung schlägt sogar durch bis zum “Spiegel”, der Kenny als “Anti-Papandreou” preist und Irland als Beispiel dafür, dass sorgfältige Reformen am Ende für alle Gewinne abwerfen.

Für Enda Kenny bietet sein heutiger Besuch in Berlin die Chance, vor laufenden Kameras bei Angela Merkel um eine Lockerung der EU-Rettungsschirm-Bedingungen anzuklopfen. Er wird damit begründen, dass man auf weitere Erschütterungen der Finanzmärkte flexibel reagieren können müsse. Schliesslich sei Alles, was gut für Irland sei, auch gut für Irlands Gläubiger. Diese Botschaft wird Kenny auch versuchen, an einflussreicher Stelle anzubringen, wenn er am Nachmittag gemeinsam mit Wolfgang Schäuble zu Gast bei der Konrad-Adenauer-Stiftung sein wird.

Insider beider Seiten haben bereits im Vorfeld des Treffens durchblicken lassen, dass man keine konkreten Entschlüsse erwarten dürfe. Symbolische Worte von gegenseitigem Verständnis werden wohl durch die Abendnachrichten sowohl Irlands auch auch Deutschlands flimmern. Ein Wellnesstermin für die beiden Staatsführer und Streicheleinheiten für die Daheimgebliebenen, damit das Wahlvolk in Zeiten klammer Kassen nicht rebelliert.

via: irishtimes.com

Bildnachweis: wikimedia

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4 Kommentare auf "Kenny-Merkel Treff: Symbolpolitik für die Daheimgebliebenen"

  1. Bernd sagt:

    Zitat: “Irland als Vorzeigemodell für protestantische Tugenden …” – dann dürfte heute auch der Tag sein, an dem Schweine fliegen.

  2. Bernd sagt:

    Zitat: “Die Irish Times sieht in dieser Bewunderung protestantisch-deutsche Tugenden durchblitzen.”

    Äh, nunmal ehrlich … ist das die Herleitung aus dem Satz “Self-denial always plays well in the land of Martin Luther”? Quelle: http://www.irishtimes.com/newspaper/world/2011/1116/1224307639193.html

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