Bevorzugung des Katholizismus in Grundschulen in der Kritik

18. November 2011 | Von | Kategorie: Bildung

Ausgrenzung andersgläubiger Schüler an Irlands Grundschulen?

Das Forum “Patronage and Pluralism” empfiehlt die Beseitigung der Vorherrschaft des Katholizismus, wie es sie in vielen Grundschulen Irlands noch immer gibt. Seine Untersuchung habe ergeben, dass es in vielen Gegenden des Landes keine Möglichkeit gebe, auf einer andere Grundschule als die lokale Katholische zu gehen. Dort würden sich andersgläubige Kinder jedoch immer wieder ausgeschlossen fühlen, manche sogar fast Despressionen entwickeln.

Dem Bildungsministerium hat die Schulinitiative heute den Zwischenbericht zu ihrer Studie vorgelegt. Bis Ende des Jahres soll der Report fertiggestellt sein. Umstrittene Passagen aus dem Regelwerk der katholisch geführten Grundschulen sollen die religiöse Bildung der Kinder sicherstellen – gemeint ist damit natürlich christlich-religiöse Bildung. So besagt Regel 68, dass “von allen Schulfächern der Religionsunterricht der Wichtigste” sei und die Grundlage des ganzen Schulbetriebs. Die Schüler sollen zum Einhalten von Gottes Geboten erzogen werden.

Die Staatsekretärin im Bildungsministerium, Brigid McManus, sagte dem Forum, ihr Ministerium unterstütze die Beseitigung dieser Passagen. Schulen, in denen dieses Regime noch herrscht, liegen typischerweise auf dem Land und kleinen Orten, wo es keine staatliche Alternative zur örtlichen Grundschule unter katholischer Trägerschaft gebe. Allerdings gebe es auch in vier Dubliner Bezirken noch solche Bereiche. Man solle sich von diesen Schulen trennen, sagt “Patronage and Pluralism” ganz konkret.

Der Vorsitzende des Forums berichtete, es gebe einige Fälle, in denen sich Kinder aus andersgläubigen Familien schon fast depressiv und an Selbstmord denkend beschrieben hätten. Sie würden sich in ihren katholischen Schulen ausgeschlossen fühlen. Prof. John Coolahan räumte zwar ein, dass es nur Einzelfälle gebe, diese aber nichts desto trotz ernst seien. Für die Untersuchung hat das Forum 86 Kinder, die nicht katholischen Glaubens sind, über ihre Erfahrungen an katholischen Grundschulen befragt. In zwei Fällen seien die Aussagen über den erfahrenen Ausschluss aus der Gesellschaft sehr weitreichend für die Kinder gewesen.

Weitere Kinder aus der befragten Gruppe erzählten, sie fühlten sich ausgeschlossen und es sei ihnen dort unangenehm. Vor allem, wenn ihre Klassenkameraden sich auf Sakramente wie die Erstkommunion oder Firmung vorbereiteten, fühlten sie sich allein gelassen. Prof. Coolahan rief die katholische Kirche auch auf, Schulen vorzuweisen, in denen mit diesen Problemen vorbildlich umgegangen würde.

via: rte.ie

Bildnachweis: flickr (by microrama)

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Ein Kommentar auf "Bevorzugung des Katholizismus in Grundschulen in der Kritik"

  1. Bernd sagt:

    Zitat: “Umstrittene Passagen aus dem Regelwerk der katholisch geführten Grundschulen sollen die religiöse Bildung der Kinder sicherstellen …

    Dies sind nicht Pasagen aus irgendeinem Regelwerk für katholisch geführte Grundschulen, dies sind Passagen aus dem STAATLICHEN Regelwerk für die National Schools. Es ist von daher mehr oder minder grotesk, gross mit dem Finger auf die katholische Kirche zu zeigen, wenn doch der Staat die Marschrichtung vorgibt.

    Nicht erwähnt wird der folgende Regelparagraph 69, der ausdrücklich vorsieht, dass kein Kind gegen den Willen des Erziehungsberechtigten zu einem bestimmten Religionsunterricht gezwungen werden darf.

    Vollkommen lächerlich finde ich die Betonung darauf, dass sich nicht-katholische Kinder ausgeschlossen fühlen, wenn sie nicht am katholischen Religionsunterricht teilnehmen und auch die katholischen Sakramente nicht bekommen. Solange der Staat kein Konzept für einen multikulturellen und multireligiösen Ethikunterricht vorlegt, wird sich an diesem “Ausschluss” wohl nichts ändern lassen.

    Ein Nebenkriegsschuplatz für billige Punkte, so lange noch die Verfassung schreibt:

    In the Name of the Most Holy Trinity, from Whom is all authority and to Whom, as our final end, all actions both of men and States must be referred, We, the people of Éire, Humbly acknowledging all our obligations to our Divine Lord, Jesus Christ …

    Bist Du kein Christ, bist Du folglich auch kein Ire auf dem Boden des Grundgesetzes. So einfach ist das … ob mit Religionsunterricht oder ohne.

    STAATSreform ist gefragt, nicht ein Herumdoktorn an Kleinigkeiten.

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