Frisches Grün und alte Mauern – Muckross House und der Killarney-Nationalpark

14. Januar 2012 | Von | Kategorie: Kerry, Reiseland Irland, Tourismus

Gaelnet.de-Mitarbeiterin Judith Strußenberg war im vergangenen Jahr in Irland unterwegs. In ihrer eigenen Rubrik “Reiseland Irland”, berichtet sie über Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele, Lokale und schöne Landschaften. Den Auftakt dieser losen Serie bildet heute im Südwesten Irlands eine bekannte Attraktion vor den Toren Killarneys:

Der Killarney-Nationalpark: Es scheint, als wären hier die Berge noch etwas höher, die Schluchten wilder, die Moore unzugänglicher und dann erst die tiefen, uralten Eichenwälder voller Farne und moosbewachsener Felsen … Inmitten dieser rund 10 000 ha großen Pracht befindet sich Muckross House, ein schlossartiges Herrenhaus mit wunderschönem Park aus dem 19. Jahrhundert. Nahe der Stadt Killarney gelegen, ist es gut erreichbar. Umgeben von gleich drei Seen ist es ein idealer Ort, um die Seele baumeln zu lassen.

Nicht nur die Kutscher, auch die Krähen haben die Touristen rund um das Muckross House als lohnendes Ziel erkannt. Deshalb gilt es zuerst die Vögel davon abzuhalten die mitgebrachte Brotzeit zu klauen und das Spalier der bereitstehenden Kutschen zu durchlaufen, bevor sich atemberaubende Blicke auf See, Herrenhaus und Park öffnen.

Muckross House ließ der Parlamentsabgeordnete Henry Arthur Herbert 1843 errichten (Eintritt: 7 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Kinder). Nach einer wechselvollen Geschichte gehört das Haus seit 1932 dem irischen Staat und wird seither als Museum betrieben, das einen guten Einblick in das Leben von Wohlhabenden ebenso wie von Bediensteten bietet, denn neben der prunkvollen und wenig zurückhaltenden Inneneinrichtung ist auch das Untergeschoss des Herrenhauses noch vollständig erhalten. Verborgen vor den Blicken der Hausbesitzer waren hier einst Heerscharen an Bediensteten zu Gange, um den reibungslosen Ablauf in dem großen Anwesen zu garantieren.

Besonders unter Druck gestanden haben die Köche, Dienstmädchen und Diener sicher 1861. Damals war Königin Victoria für einige Tage in Muckross House zu Gast. Diesen gesellschaftlichen Höhepunkt kam die Herberts teuer zu stehen. Die hohen Kosten führten schließlich zum Ruin und dem Niedergang der bis dahin angesehenen Familie – und damit auch zum Verkauf von Muckross House.

Die Umgebung von Muckross House

Weg von Adel und hohen Herrschaften hin zum bäuerlichen Leben führt ein Besuch der Muckross Traditional Farms, die sich ebenfalls auf dem Gelände von Muckross House befinden. Ein Besuch in dem authentisch nachgebildeten Bauerndorf aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nimmt die Besucher mit auf eine Reise in Zeiten, wo es weder elektrischen Strom noch sanitäre Anlagen gab und wo Landwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes ein Knochenjob war.

Wem rund um das Muckross House zu viel Trubel herrscht, für den lohnt sich ein Spaziergang zum nur fünf Minuten entfernt gelegenen Bootshaus, von wo einen Boote auf die andere Seite des Sees bringen.

Gut ausgeschilderte Wanderwege führen hier durch eine Landschaft mit schier überbordender Vegetation und von unglaublichem Grün. Immer wieder geben die knorrigen Eichenwälder und Rhododendren den Blick auf den See frei. Ein kleiner aber lohnender Umweg führt auf dem entspannten rund 2-stündigen Rückweg zum Torc-Wasserfall, wo der Owengariff River rund 18 Meter in die Tiefe stürzt, um dann in den Muckross Lake zu fließen.

Noch mehr spektakuläre Ausblicke bietet ein kleiner Ausflug zum Ladies‘ View. Direkt an der N71 Richtung Kenmare gelegen, ist die Stelle schon wegen der zahlreich parkenden PKWs und Busse gar nicht zu verfehlen, an der sich zwischen schroffen Felsen der Blick in ein weites Tal hin zum Upper Lake öffnet. Hier kommt auch wieder Königin Victoria ins Spiel, denn mit den Ladies sind ihre Hofdamen gemeint, die beim Besuch 1861 so begeistert von der Aussicht waren, dass sie diesem Ort seinen Namen gaben.

Für uns war Killarney ‘nur’ der  Beginn unserer Irland-Reise und Startpunkt der  Ring-of-Kerry-Tour. Gerne hätte ich mehr Zeit hier verbracht. Wer diese mitbringt, für den hat die Landschaft tund um Muckross House noch deutlich mehr zu bieten. Neben der atemberaubenden Landschaft finden sich hier neben dem vergleichsweise neuen Muckross House auch Spuren früherer Kulturen.

Aus dem 7. Jahrhundert stammt Inisfallen Abbey, gelegen auf einer einer Insel im Lough Leane. Über 1000 Jahre waren hier Mönche zu Hause. Heute sind noch die Ruinen eines Oratoriums aus dem 12. Jahrhundert sowie einer kleinen romanischen Kirche erhalten.

Es wird davon ausgegangen, dass in dieser Abgeschiedenheit die Annalen von Inisfallen entstanden sind, die älteste mittelalterliche Chronik Irlands. Dieses unschätzbar wertvolle Werk, das über 2500 Einträge zur Geschichte des Landes enthält und wohl zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert entstand befindet sich heute in der Bodleian-Bibliothek im englischen Oxford.

Ebenso geschichtsträchtig wie Inisfallen Island sind die Sehenswürdigkeiten am Ufer des Lough Leane: Am Ufer finden sich die Ruinen des Franziskanerklosers Muckross Friary. Im 15. Jahrhundert von den Mac Carthys gestiftet wurde es 1652 von Cromwells Truppen zerstört. Auf dem kleinen Friedhof beim Kloster liegen einige lokale Berühmteiten, darunter mehrere gälische Dichter.

Zu guter Letzt findet sich am Ufer des Lough Leane noch Ross Castle, die typische Burg eines mittelalterlichen irischen Clanführers. Im späten 15. Jahrhundert wurde die Burg vom Clan der O’Donoghues erbaut. Während der irischen Konföderationskriege war Ross Castle die letzte irische Burg, die Cromwell und seinen Truppenn noch Widerstand leistete, jedoch wurde sie kampflos übergeben, was den vergleichsweise guten Erhaltungszustand zeigt. Im 18. Jahrhundert befand sich hier eine Kaserne, heute kann man von hier Bootsfahrten, wie etwa zur schon erwähnten Inisfallen Abbey, machen.

Essen:
Einen gemütlichen Ausklang findet der Tag in einer der Pubs oder Restaurants in Killarney. Angenehm sitzt es sich etwa ei einem kühlen Pint und einer großen Portion Guinness Stew in der Squires Bar.

Übernachten:
Woodlands, ein angenehmes B & B mit sauberen Zimmern und üppigem Frühstück am Rande von Killarney. Zu Fuß braucht man etwa 20 Minuten ins Zentrum, im nahegelegenen Supermarkt kann man sich mit Reiseproviant eindecken. Übernachtung ca. 30 Euro.

Links zum Artikel:
Killarney-Nationalpark
Muckross House
Killarney
Muckross Traditional Farms
Squires Bar
Woodlands

Bilder: Judith Strußenberg (2), wikipedia

Tags: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Achtung: Mit Abgabe eines Kommentars erkläre ich mich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und meine IP-Adresse ausschließlich zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.
Ihre Daten werden dabei mit den Daten bekannter Spamversender abgeglichen und vier Tage gespeichert, eine weitere Verwendung ihrer Daten findet nicht statt.
Weitere Informationen zur Funktionsweise von Akismet und Widerrufsmöglichkeiten..