“Mit ein wenig Verstärkung” – Die Dubs feiern 50 Jahre

1. Februar 2012 | Von | Kategorie: Dublin, Kultur, Kunst, Musik, Stars & Co.

1962 war ein bedeutsames Jahr für Irland. Irlands Präsident Eamon de Valera wurde die Ehre einer Privataudienz bei Papst Johannes XXIII zuteil, Fernseh-Urgestein Gay Byrne zeichnete die erste Folge seiner Late Late Show auf, und Irland und Deutschland unterzeichneten ein Doppelbesteuerungsabkommen.

Vorerst eher unbemerkt blieben dagegen die Geburt eines kleinen Jungen in Schottland, der sich 1988 in Stuttgart für immer in die Herzen aller Iren schoss, als er den Siegtreffer der Iren im EM-Gruppenspiel gegen England markierte. Und dann gab es da noch ein paar junge Männer, die in diesem Jahr begannen, sich regelmäßig in einem kleinen, verrauchten Pub namens “o’Donoghues” in der Merrion Row zu treffen, um gemeinsam Sauf- und Rebellenlieder zum Besten zu geben und sich binnen kurzer Zeit eine treue Fangemeinde in Dublin und darüber hinaus zulegten.

Heute, 50 Jahre später, ruhen Eamon de Valera und Johannes XXIII längst in Frieden und beider Organisationen haben in der jüngeren Vergangenheit ihren einstigen Nimbus der Unantastbarkeit auf der Insel der Heiligen und Gelehrten eingebüßt. Gay “Gaybo” Byrne hat sich schon vor Jahren in den Ruhestand zurückgezogen und diesen auch nicht für eine angetragene Präsidentschaftskandidatur aufgegeben und Ray Houghton hat den Platz am Ball gegen den Platz vor dem Kommentator-Mikrofon eingetauscht.

Und was die Jungs aus der Merrion Row betrifft… Die luden vor einigen Tagen anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums zu zwei Konzerten in die Dubliner Christ Church Cathedral und hunderte Fans drängelten sich vor dem Einlass in die an diesem Abend im wahrsten Sinne des Wortes geheiligten Hallen der irischen Folkballade. Glücklich, wer da schon lange vorher eines der begehrten Tickets erhalten hatte.

In der Warteschlange vor der kleinen, steinernen Seitenpforte der normannischen Kathedrale herrschte ein der weit reichenden Fangemeine entsprechendes, buntes Stimmengewirr: Englisch in seiner irischen wie auch amerikanischen Ausprägung, Italienisch, Deutsch, Schwyzerdütsch, Holländisch und skandinavische Klänge waren zu hören und einige unverzagte Fans hofften noch eine Karte für DAS Event des Abends zu ergattern.

Die Location für das Jubiläumskonzert der Dubs hätte eindrucksvoller und repräsentativer nicht gewählt werden können, wenn es auch nicht einer gewissen Ironie entbehrte, dass ausgerechnet die Band, die nicht wenige rebel songs zu ihrem Repertoire zählte, ihr 50-jähriges Bestehen in einer Kirche feierte, die vom ersten “britischen” Heerführer auf irischem Boden 1172 in Auftrag gegeben worden war.

Fünf Mann mit ihren Instrumenten, dazu ein paar bunte Lichter – mehr braucht es normalerweise nicht, um die Fans der bärtigsten Boygroup der Welt in Ekstase zu versetzen. Und im wesentlichen blieben die Jubilare ihrer Linie treu, mit kleinen Ausnahmen. Da wäre etwa das gotische Portal zum Chorgestühl der Kathedrale zu nennen, dessen fünf Spitzbögen, in immer neuen Farbspielen illuminiert, jedem der Dubs gleichsam eine feierliche Jubiläumskrone aufsetzten.

Beim letzten runden Jubiläum auf der Bühne hatte damals im Gaiety Theatre noch eine Art Familientreffen der noch lebenden (Ex-) Dubliners stattgefunden, doch nach dem Tode des Bandgründers Ronnie Drew vor zweieinhalb Jahren und der Kehlkopfkrebs-Diagnose bei Jim McCann war eine Wiederholung leider undenkbar.
Dubliners-Fiddler John Sheahan kündigte wenige Tage vor den Konzerten “ein ganz normales Dubliners-Konzert mit ein wenig Verstärkung” an, doch wie diese Verstärung im Detail aussehen würde, wurde erst am Abend des Konzerts offenbar.

So hatten die Dubs ihre Instrumentierung für den festlichen Abend um ein Instrument erweitert und einen Cellisten hinzugebeten. Außerdem untermalten passend zum Veranstaltungsort die Stimmen des Dublin Gospel Choir einige der Dubliners-Klassiker und verliehen so The old triangle, Rare ould times oder auch Molly Malone eine gänzlich neue, für Dubliners-Konzerte ungewohnte Klangdimension.

Von den Chieftains, die in diesem Jahr ebenfalls 50 Jahre bestehen, machte Fiddler Sean Keane den Dubs seine musikalische Aufwartung und stimmte zusammen mit Christ Church-Organistin Donna Magee in die Sheahan-Komposition “Christ Church Cathedral” mit ein. “Nach 20 Jahren kann ich das Stück endlich an dem Ort spielen, nach dem ich es benannt habe”, kommentierte John Sheahan verschmitzt lächelnd die Situation.

Insgesamt rund drei Stunden unterhielten die Dubs ihr Jubiläumspublikum, dass einmal mehr in die Balladen und Trinklieder einstimmte, bei Jigs und Reels mitwippte und in der Seligkeit des Augenblicks auch die bittere Erkenntnis verdrängte, dass es angesichts des mittlerweile fortgeschrittenen Alters der Bandmitglieder ein weiteres derartiges Jubiläumskonzert nicht geben wird. Wer dabei war, wird eine ganz spezielle Erinnerung an eine Band im Gedächtnis und Herzen behalten, die das Bild der grünen Insel und der irischen Folkmusik ganz besonders geprägt haben.

Slán go fóill!

Bildnachweis: Gaelnet.de / Thomas Brütting

Tags: , , , , , , , , , ,

banner

Schreibe einen Kommentar

Achtung: Mit Abgabe eines Kommentars erkläre ich mich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und meine IP-Adresse ausschließlich zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.
Ihre Daten werden dabei mit den Daten bekannter Spamversender abgeglichen und vier Tage gespeichert, eine weitere Verwendung ihrer Daten findet nicht statt.
Weitere Informationen zur Funktionsweise von Akismet und Widerrufsmöglichkeiten..