Der schönste Job der Welt – Bus-Guide in Dublin

6. März 2012 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

“Hop on – Hop off” ist das Zauberwort für Touristen mit knappem Zeitbudget. Bequem im Bus sitzend lässt man sich auf einer Rundfahrt durch eine fremde Stadt chauffieren. An den wichtigsten Sehenswürdigkeiten hält der Bus, wer will “hüpft” für eine Besichtigung hinaus und nimmt den nächsten Bus. Oder aber man bleibt sitzen und lauscht den erklärenden Kommentaren des Busfahrers. Einer der größten Anbieter solcher Touren durch die irische Hauptstadt ist das städtische Busunternehmen Dublin Bus. Gaelnet-Redakteur Tom Brütting hat sich auf eine solche Rundfahrt durch Dublin begeben. Hier ist sein Bericht.

Vor dem Hauptquartier von Dublin Bus parkt einer der berühmten grünen Busse mit dem offenen Sonnendeck im ersten Stock. Das Kundencenter hat geschlossen, also muss ich hoffen, dass der Fahrer des Busses meinen Kontaktmann Cieran Banfield kennt, mit dem ich für ein Gespräch verabredet bin. Ich habe Glück, der Fahrer, der es sich auf der seitlichen Sitzbank hinter dem Einstieg bequem gemacht ist Cieran – er hat schon auf mich gewartet.

Bei meinen früheren Rundfahrten durch Dublin saßen meist vor “craic” übersprudelnde Frohnaturen am Steuer, die mit einem breiten Repertoire an Schenkelklopfern und irischen Folksongs ihr Publikum unterhielten und auch als Stand-up-Comedians nicht verhungert wären.

Cieran passt nicht in dieses Klischee, das sieht man dem schmalen Gesicht mit den wachen, intelligenten Augen hinter den kleinen, runden Brillengläsern sofort an. Und er bestätigt meine Vermutung, dass er mit der “Paddywhackery” so mancher Kollegen nicht viel anfangen kann. “Vielleicht bin ich da einzigartig in der Firma, aber mich wird man nie im Bus singen hören”, sagt Cieran mit einem Schmunzeln auf den Lippen. “Und es gibt meiner Meinung nach auch noch ein paar andere Dinge, die Dublin, Irland oder die Iren ausmachen, neben Guinness oder Molly Malone”

Ich nehme den Ball dankend auf und will wissen, was denn typisch für die Iren ist. Cieran muss nicht lange überlegen. “Wir lieben es, uns auszudrücken, wir sind so große Redner. Und unsere Respektlosigkeit gegenüber Vorschriften ist geradezu sprichwörtlich. Gesetze gelten immer nur für andere”, sagt er grinsend und gibt mir nur Sekunden später praktischen Anschauungsunterricht zu seiner Theorie.

Studenten jedes Alters 14 Euro

Ein Pärchen, nur noch heute in der Stadt, fragt nach einer Rundfahrt. Sie würden gerne eine schnelle Runde durch die Stadt drehen. 16 Euro würde die Tour nun pro Nase kosten, das Ticket würde auch morgen noch gelten, doch das hilft dem Pärchen nicht. Fahrer Cieran weiß Rat. “Ihr seid doch Studenten, oder?”, fragt er die beiden offensichtlichen Über-Vierziger augenzwinkernd, als er die Fahrkarten zückt. “Das macht dann 14 Euro pro Person und redet nie mehr darüber- ich brauche meinen Job.”

Doch diese Art von Kundendienst wird von Dublin Bus ausdrücklich befürwortet. “Wir werden angehalten, im Umgang mit den Kunden gesunden Menschenverstand einzusetzen”, sagt Cieran. “Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck, und so fühlt sich dieses Paar in Dublin und in unseren Bussen wohl. Ganz abgesehen davon, dass ich mir auch wünschen würde, so behandelt zu werden.” Wer würde sich das nicht wünschen, da muss ich Cieran Recht geben und auch der überrascht-erfreute Gesichtsausdruck der beiden “Studenten” legt nahe, dass seine Auffassung von Service bei der Zeilgruppe sehr gut ankommt.

Cieran ist erst seit fünf Jahren bei Dublin Bus, kann aber schon auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken. In jungen Jahren zog er mit einem Wortschatz von gerade einmal elf deutschen Worten in die Gegend von Köln, wo er als Rosengärtner und später als Maler jobbte. Er verdiente sein Geld als Telefontechniker, LKW-Fahrer, Koch und auch zur See ist Cieran schongefahren. “Ich habe nie ein College besucht. Zu meinen Kindern sage ich immer, ich wüsste noch nicht, was ich einmal arbeiten will wenn ich einmal erwachsen bin”, sagt er und der Schalk blitzt aus seinen Augen.

Doch auch ohne College hat sich der 56-jährige immer seinen Wissenshunger bewahrt. Er ist die Grundlage für sein umfassendes Wissen über Dublin, Irland und die Geschichte Irlands, das sich zeigt, als wir im Gespräch mehrmals abdriften und plötzlich bei den Ursachen und den Konsequenzen des Aufstands von 1916 landen.

Neugier ist für Cieran eine wichtige Eigenschaft für einen Tourbusfahrer. “Man muss sich immer wieder fragen, ‘Was steckt dahinter?’ oder ‘Warum ist das so gekommen?’ und so seinen Horizont erweitern”, sagt er. “Und Du musst mit Menschen umgehen wollen und können, dann ist das der schönste Job der Welt!”

Nur sechs Wochen nachdem Cieran seinen Dienst beim Dubliner Stadtbus-Unternehmen aufnahm, wurden Fahrer für die Rundfahrten gesucht. Cieran warf seinen Hut in den Ring, und wurde nach einem ausgiebigen Test angenommen. Seitdem kutschiert er tagein tagaus das ganze Jahr über Touristen durch seine Stadt und manchmal sitzt er auch am Steuer eines der blau-gelben Linienbusse.

Was macht für ihn den Reiz aus, als Tourguide auf Dublins Straßen zu kreuzen? “Ich liebe all diese vielen, kleinen Details über Dublin und ich liebe es, Menschen zu verwirren.”, sagt er lachend. “Menschen reisen oft, um ihre Vorstellungen und Meinungen zu bestätigen und mir macht es Spaß, mit den kleinen Details, die nicht in ihrem Reiseführer stehen, diese vorgefertigten Meinungen aufzubrechen, die Touristen zu überraschen.”

Seine Tour erschafft er täglich neu

Seine Tour erschafft Cieran bei jeder Runde neu. Natürlich, sagt er, seien die grundlegenden Fakten immer dieselben, aber selbst die lassen sich variieren und ergänzen. “Wenn beispielsweise die Ampel vor mir rot ist, dann kann ich etwas weiter ausholen und vielleicht auch noch das Fitzelchen einfließen lassen, das ich am Morgen in der Zeitung gelesen habe. Die Tour ist immer gleich, der Kommentar nie.”

Neu sind für Cieran jeden Tag auch wieder die Fahrgäste, die es von Zeit zu Zeit sogar schaffen, ihn, den mittlerweile alten Hasen zu überraschen – etwa mit der Frage, wie man auf das Oberdeck des Busses gelange. Auch an eine Gruppe junger Amerikaner erinnert sich Cieran noch heute. “Kurz nach dem Einsteigen kam einer der Männer die Treppe vom Oberdeck herunter und fragte mich ‘Entschuldigen Sie bitte, verkaufen Sie Burger hier im Bus?’ Ich kam mir veralbert vor und suchte nach einer geistreichen Antwort: ‘Vielleicht sind in diesem Bus schon Menschen an Langeweile gestorben, aber noch keiner an Hunger’, sagte ich. “Er war nicht sehr amüsiert.”

Es ist spät geworden, die letzte Tour des Tages steht an. Und nun gehe ich selbst mit Cieran Banfield auf eine Runde durch sein Dublin und lasse mich von ihm überraschen mit den Details, die in keinem Reiseführer stehen.

Mehr Informationen zu den Bustouren mit Cieran und seinen Kollegen und zum Reiseland Irland:

Dublin Bus
Rundfahrten in und um Dublin
http://www.dublinsightseeing.ie/

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Bildnachweis: Gaelnet.de / Thomas Brütting

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