Meineid: Fliegt Bertie Ahern aus der Fianna Fáil?

23. März 2012 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

Nächste Woche Freitag will Micheál Martin, aktueller Chef der Fianna Fáil, einen Antrag stellen, den ehemaligen Taoiseach Bertie Ahern aus seiner Partei werfen zu lassen. Die Ergebnisse des “Mahon” Untersuchungsausschusses belasten Ahern schwer. Und im Falle Bertie Aherns geht es immerhin mit der Ikone des Karfreitagsabkommens um ein Wahrzeichen der neueren Geschichte  Irlands. Über 15 Jahre hatte der Ausschuss über 600 Zeugen zu den Korruptionsvorwürfen befragt und so 3270 Seiten gefüllt.

Als diese Woche der Abschlussbericht der 15 Jahre dauernden Untersuchung endlich vorlag, wusste Bertie Ahern vermutlich nicht, ob ihm nach Lachen oder Weinen zumute sein sollte: Der Ausschuss habe Ahern nicht nachweisen können, dass hohe Überweisungen an Aherns Konten in den 1990ern in Zusammenhang gestanden hätten mit Korruption, so der Report. Jedoch, so stand ebenfalls auf den über 3000 Seiten, konnte dies nur deshalb nicht ergründet werden, weil der Ex-Taoiseach unter Eid falsch ausgesagt hatte, woher das Geld gekommen war.

Aus der Unklarheit über die wahren Hintergründe der schleierhaften Überweisungen zieht die Fianna Fáil nun Konsequenzen. Wenn sich nächsten Freitag die Parteispitzen treffen, soll auch über ein Parteiausschlussverfahren gegen Bertei Ahern abgestimmt werden. Genauso wie Ahern werden sich auch der in die Affäre verwickelte ehemalige EU Kommissar Padraig Flynn und drei County Councillor der Fianna Fáil dem Ausschlussverfahren stellen müssen. Und die Angelegenheit zog Kreise: Gegen insgesamt elf Befragte hat sich während der Befragungen der Korruptionsverdacht erhärtet,  fünf davon stehen dafür schon vor Gericht.

In den Neunzigern hatte Ahern einige Zeit etwa 215.0000 Irische Pfund auf seinen Konten, zu denen er jedoch vor dem Tribunal falsche Angaben machte – unter Eid. Es wird vermutet, dass es sich um verdeckte Parteispenden des Bauunternehmers Owen O´Callaghan handeln könnte. Diesen Verdacht konnten die Ermittler jedoch nicht vollends nachweisen. Ahern sagte nach der Veröffentlichung des Berichts: “Ich habe dem Tribunal die Wahrheit gesagt und ich weise alle Unterstellungen von mir, dass ich es hätte in die Irre führen wollen.” Er sagte ebenfalls: “Nach über einem Jahrzehnt der Untersuchung und unzähligen Millionen Kosten dafür, hat das Tribunal keinen Nachweis erbracht – und konnte dies auch nicht – dass ich eine korrupte Zahlung von Owen O´Callaghan erhalten hätte.” Allerdings konnte der Untersuchungsausschuss nachweisen, dass Aherns erbrachte Belege über die Herkunft der Zahlungen falsch waren.

Ob der dreimalige irische Taoiseach Bertie Ahern nochmal seine Truppen hinter sich sammeln können wird, wenn es um den Parteiausschluss gehen wird? Vielleicht wird Ahern ja aber auch einfach nach Deutschland auswandern, wo ein “Ehrenwort” eben noch etwas gilt, selbst in einem Parteispendenskandal.

via: RTÉ, BBC

Bildnachweis: wikipedia

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