“Quick-Fidil” auf dem Irish Spring Festival

25. März 2012 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

"Fidil" aus Donegal

Unser Musikredakteur Uwe hat für Gaelnet.de gestern das Irish Spring Festival besucht, auf dessen Halt im Lindenkeller in Freising. Mit dabei waren Frau und Tochter. Seine Eindrücke dieses Abends teilt er heute mit unseren Lesern:

Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung sind wir dort und das ist gut so, denn es ist freie Platzwahl. Mit unserer Tochter Fiona suchen wir uns einen Platz in der Mitte der ersten Reihe. Im Publikum sehen wir auch Frank McLynn und Allison Moffat, seine Frau. Frank ist einer der Hauptorganisatoren der St.. Patrick´s Day Parade und des Greenfarm Festivals in München. Solches “Fachpersonal” im Publikum adelt den Abend gleich vorab und lässt auf Grosses hoffen.

Als erstes betreten Fidil die Bühne. Fidil ist ein reines Geigen-Trio aus Donegal. Die Jungs heißen Ciaran O`Maonaigh, Adrian O´Donnell und Damien McGeehan. Alle sind groß und kräftig gebaut, so dass die Geigen in ihren Händen sehr zierlich wirken. Sie fangen mit ein paar Reels aus Donegal an, und nach wenigen Sekunden tobt der Saal. Es wird immer lauter und schneller, und das Publikum lässt sich mitreißen. Doch Fidil können auch anders. Zum Ende ihres Teiles spielen sie einen langsamen Walzer. Auch dieser kommt sehr gut an. Alles in Allem ein perfekter Auftakt .

"Henry Girls" singen "Mingulay Boat"

Die zweite Gruppe des Abends sind die Henry Girls. Auch diese drei attraktiven Schwestern kommen aus Donegal. Ihre Namen sind Karen, Lorna und Joleen McLaughlin. In ihrer Heimat heißt die Hälfte der Bevölkerung mit Nachnamen McLaughlin. Um Verwechslungen zu vermeiden nennen sie sich nach ihrem Großvater, und der heißt Henry. Bei einigen ihrer Lieder musste man an die amerikanische Sängerin Emmylou Harris denken, denn die Stimmen sind sehr ähnlich. Als Vorbereitung zum Konzert hatte ich mir schon vorab einige Lieder der Künstler angehört. Besonders gut gefiel mir der Mingulay Boat Song, speziell in der Fassung der Henry Girls. Gegen Ende ihres Parts kommen die Schwestern ganz nach vorne an den Bühnenrand und sagen, dass sie jetzt etwas machen, das sie während der ganzen Tour nicht gemacht hätten: Sie würden jetzt ein schottisches Lied singen. Und das nur weil ihnen ein Uwe Kubier bei Facebook geschrieben hat, dass sie die beste Version dieses Liedes singen. In der ersten Reihe sitzend, erkannten sie mich auch gleich am Kilt. Und dann stehen die drei jungen Damen gerade einmal zwei Meter von mir entfernt und singen dieses Lied – Gänsehaut-Feeling pur, als das Publikum auch noch leise mitsummt. Ihren Part beenden die Drei mit dem Titel „Dulaman“: Ein schöner Abschluß für die Henry Girls, die übrigens noch 3 Schwestern haben.

In der Pause dann mit Töchterchen zum CD kaufen, natürlich von den Henry Girls. Und auch ganz brav einreihen, um Autogramme der Mädels zu bekommen. Es war sogar Zeit für ein kleines Schwätzchen mit allen Dreien. Dabei kam auf, dass sie eine schottische Mutter haben und Mingulay Boat auch besonders gerne singen. Nur ist es ja eigentlich ein irisches Konzert und deshalb steht das Lied nicht auf der Setlist. Aber auf Anfrage singen sie es gerne.

Nach der Pause geht es weiter mit der Gruppe Tulsk. Diese Band wurde extra für das Irish Spring Festival gegründet. Mitglieder sind Sean Regan, Alan Doherty, Alan Burke und Kelvin Busher. Der Name der Band kommt vom Ort Tulsk in Roscommon, denn dort fanden die Bandproben statt. In Tulsk gibt es einige rituelle Kultstätten und der Ort galt früher als „Tor zur Unterwelt“. Diese Jungs machen nicht nur Musik, sie machen richtiges Entertainment und erzählen mit ihren Liedern Geschichten. Und auch Tulsk schafft es das Publikum mitzureißen. Einige Zuschauer haben wahrscheinlich zum ersten mal im Leben gälisch gesungen und wahrscheinlich auch nicht den Inhalt verstanden. Aber egal, der Stimmung tat das keinen Abbruch: Der Saal kochte.

Während einiger Stücke tanzt die „All Ireland“-Meistertänzerin Emma O´Sullivan zur Musik von Tulsk. Wer aber jetzt denkt, das war eine Miniausgabe von Lord of the Dance oder Riverdance liegt falsch. Emma O´Sullivan tanzt „sean nos“, der Tanzstil, aus dem das neue irische Tanzen hervorgegangen ist. Die Körperhaltung ist sehr viel entspannter, und der Tänzer oder die Tänzerin darf sehr wohl auch die Arme beim Tanzen bewegen. Auch gibt es keine sehr strenge Choreografie, man lässt sich von der Musik inspirieren, egal, ob es einen dabei – wie Emma – auf ein leeres Bierfass verschlägt oder ein Besenstiel als Tanzpartner herhalten muss. Emma O´Sullivan begeistert dabei restlos.

Zum Schluß kommen alle beteiligten Künstler noch einmal zusammen zur Jam-Session auf die Bühne und sorgen dafür, dass das Publikum froh gestimmt nach Hause ging. Allerdings nicht, ohne noch mehrere Zugaben zu fordern, die auch bereitwillig gegeben wurden.Alles in Allem ein toller Abend, selbst für unsere Tochter mit ihren erst knapp acht Jahren. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

Bildnachweis: Gaelnet.de – Uwe Kubier

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