“Eircom” pleite – Privatisierung ein Flop

1. April 2012 | Von | Kategorie: Politik, Wirtschaft

Diese Woche musste der ehemals staatliche Telekom-Konzern “Eircom”, früher “Bord Telecom Éireann”, Gläubigerschutz bei Gericht anmelden. Erst 1999 war der Konzern an die Börse gegangen. Nun, 13 Jahre später, steht die Firma mit vier Milliarden Euro Schulden da und flüchtet unter die Fittiche des Insolvenzrechts. Für Gewerkschafter kam der Zusammenbruch nicht überraschend.

Der Businessplan, den Eircom-Chef Paul Donovan dem High Court vorlegen musste, um Gläubigerschutz zu beantragen, hat es in sich: Von bisher 5500 Arbeitsplätzen sollen 1000 vernichtet werden und die Schulden sollen von vier auf 2,35 Milliarden Euro gesenkt werden. In der Zwischenzeit solle laut Donovan der Betrieb erst einmal weiterlaufen, wie gehabt. Gehälter und Lieferanten würden weiter pünktlich bezahlt und die Kunden bräuchten sich nicht um ihren Telefon- oder Internetanschluss zu sorgen.

Obwohl der Konzern 1999 beim Börsengang noch auf 8,4 MilliardenEuro Wert geschätzt wurde, muss die in Kern gesunde Firma heute die Waffen strecken – weshalb? Der Generalsekretär der für den Telekombereich zuständigen Gewerkschaft “CWU”, Steve Fitzpatrick, sagte dazu, der Gang vor Gericht sei praktisch vorprogrammiert gewesen: “Für die massiven Ausschüttungen an die vorherigen Eigentümer musste die Firma einen solchen Schuldenberg auftürmen, dass das Damoklesschwert der Insolvenz seither über dem Konzern schwebte.” Zusätzlich schwächten Verkäufe von profitablen Geschäftsfeldern den Konzern. Diesen Freitag sauste das Schwert hinunter und riss beinahe die Firma mit sich.

Nach Berichten soll die Eircom-Pleite die grösste Insolvenz der irischen Wirtschaftsgeschichte darstellen. Betroffen sind die drei Geschäftsbereiche Eircom, Meteor Mobile Communications Limited und Irish Telecommunications Investments Limited. Die Verfechter der Privatisierung grosser Infrastrukturkonzerne werden damit erneut vorgeführt. In aller Welt floppen privatisierte Staatsunternehmen, obwohl doch der Markt und frisches Blut aus der Wirtschaftselite die Konzerne zu noch grösseren Ruhmestaten führen sollten. Doch egal, ob es die englische oder neuseeländische Bahn ist oder in Deutschland von der Bertelsmanntochter “Arvato” überrnommene Stadtverwaltungen, von überall her hört man eins ums andere…flop – flop – flop und der Kunde zahlt drauf.

via: herald.ie, RTÉ

Bildnachweis: flickr (by Gary A.K.)

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