Barney – ein Nachruf

5. April 2012 | Von | Kategorie: Musik

Es war ein Freitagabend im Januar dieses Jahres, als ich Barney McKenna das erste Mal – und wie ich seit heute weiß, auch zum letzten Mal – persönlich begegnen durfte. Gerade hatten die Dubs das erste ihrer beiden Jubiläumskonzerte in der Dubliner Christ Church Cathedral hinter sich gebracht und schnauften nun umgeben von Freunden und Verwandten, die das Jubiläumskonzert miterlebt hatten, in der Sakristei der Kathedrale aus.

Barney, der wie so oft das Publikum mit seinem Banjospiel beeindruckt, mit seinen, wenn auch schon oft präsentierten, Scherzen zum Lachen gebracht und mit seinem Gesang in der Seele berührt hatte, hatte auf einer Holzbank entlang der Wand der Sakristei Platz genommen und beobachtete von dort den Trubel, als die “German reporters” eingelassen wurden.

Ich wechselte zunächst einige Worte mit Sean Cannon, doch als sich die Gelegenheit ergab, nahm ich neben Barney Platz, stellte mich vor und unterhielt mich ein wenig mit ihm. Mehr scherzend als ernst fragte ich ihn nach den Bandplänen für das 60. Bühnenjubiläum und er antwortete nach einem kurzen Lachen sehr ernst und nachdenklich. “Well, you know, I am over 70 now and I would be over eighty then. Only God knows what will happen until then.” Wir sprachen auch über seine in den vergangenen Jahren immer offensichtlicheren Gesundheitsprobleme, über den Verlust der Sehkraft. Nein, alleine könne er nicht mehr seinem Lieblingshobby, der Fischerei nachgehen. Er könne kein Boot mehr steuern, berichtete er. Aber gelegentlich lasse er sich von einem Skipper zum Fischen aufs Meer hinausfahren – das gehe noch immer.

Rund fünf Minuten sprachen wir miteinander, dann begann die Security, den Raum von allen “Nicht-Dubliners” zu räumen. Ich stand auf, reichte Barney die Hand. Er ergriff sie, hielt sie lange fest, fast zu lange für den Bodyguard, der ungeduldig hinter mir mit den Füßen scharrte. Dann sagte er “Goodbye Tom, take care!” und ich antwortete “So do you and see you in Munich!”

Dieses Wiedersehen wird es leider ebenso wenig geben, wie weitere Auftritte von Banjo-Barney aus Donnycarney. Barney McKenna ist heute im Alter von 71 Jahren in Howth verstorben.

Noch im Januar hatte ich in meinem Bericht über das Jubiläumskonzert folgenden Satz geschrieben:

Insgesamt rund drei Stunden unterhielten die Dubs ihr Jubiläumspublikum, dass einmal mehr in die Balladen und Trinklieder einstimmte, bei Jigs und Reels mitwippte und in der Seligkeit des Augenblicks auch die bittere Erkenntnis verdrängte, dass es angesichts des mittlerweile fortgeschrittenen Alters der Bandmitglieder ein weiteres derartiges Jubiläumskonzert nicht geben wird. Wer dabei war, wird eine ganz spezielle Erinnerung an eine Band im Gedächtnis und Herzen behalten, die das Bild der grünen Insel und der irischen Folkmusik ganz besonders geprägt haben.

Ich hätte nicht gedacht, dass er so schnell wahr werden würde.

Bildnachweis: Gaelnet.de / Thomas Brütting

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