Redet sich Michael O’Leary um Kopf und Kunden?

22. April 2012 | Von | Kategorie: Kommentiert

Ryanair Boss Michael O´Leary gab Ende voriger Woche seine Einschätzung ab, was Irland aus der aktuellen Krise führen könnte: “Eine stramm rechte Diktatur, fünf Jahre lang”. So weit, so einfach. Doch das war nicht alles, was O´Leary bei newstalk.ie zum Besten gab.

O´Learys wirtschaftspolitischer Sachverstand sagt dem Unternehmer offenbar, so ein Staat sei doch auch bloss sowas wie eine Fluglinie. Mal eben fünf Jahre lang autokratisch “durchregieren” ist sein Ansatz. Dass der Erfinder der Billigflugbranche in Europa mit seinen polemischen Äusserungen als nicht immer ganz ernstzunehmender “bunter Vogel” gilt – sollte dies einen öffentlich geäusserten Wunsch nach Diktatur relativieren?

Im Interview mit newstalk.ie analysierte O´Leary zwar korrekt, dass der Staat bei Einnahmen von jährlich 35 Milliarden gleichzeitig etwa 50 Milliarden Euro ausgibt: “Wir müssen 15 Milliarden leihen, nur um zu überleben.” Und solange dies der Fall sei, könne man den Banken nicht die Tür ins Gesicht werfen und genausowenig den Käufern von Staatsanleihen.

Doch auf die Frage, wie man das Land wieder auf Kurs bringe, hat der Ryanair-CEO äusserst unausgeglichene Vorstellungen. Er würde als Multimillionär ja gern sein Kindgeld abtreten. Als Gegenleistung hätte O´Leary jedoch gern, dass beispielsweise Krankenschwestern statt heute 36 Stunden künftig 44 Wochenstunden arbeiten sollten. Ähnliches schwebt ihm auch für Lehrer vor, die bei längerer Krankheit auch einfach gekündigt werden sollten.

Und wer in der Heimat nicht schnellstens einen Job bekomme, solle doch auswandern. Auswanderung sei seit je her ein Erfolgsmodell irischen Wirtschaftens. Was, würde der Lufthansa-Vorstand Deutschen empfehlen, auszuwandern, statt dem Staat auf der Tasche zu liegen? Zu Recht würde man ihn wohl darauf hinweisen, dass es eine private Entscheidung ist, Vorstand eines Weltkonzerns werden zu wollen und Familie nur noch ein Mal pro Jahr an Heilig Abend zu sehen. Aber diesen Preis zahlen für eine Stelle als Klemptner in Sydney oder Houston?

Diese Frage möchte O´Leary offenbar gern für seine irischen Schäfchen von einem Diktator in patrirchaler Manier entschieden bekommen.

via: newstalk.ie

Bildnachweis: flickr.com / Cha gia Jose

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