Kardinal Brady entschuldigt sich bei Opfer

7. Mai 2012 | Von | Kategorie: Religion

Der Druck auf das Oberhaupt der katholischen Kirche Irlands, Kardinal Sean Brady, zeigt Wirkung. Während Medien über eine “Exit-Strategie” für den wegen Vertuschung sexuellen Mißbrauchs unter Beschuss geratenen Oberhirten spekulieren, entschuldigte sich der beim damaligen Mißbrauchsopfer. Dennoch halten selbst kirchennahe Kreise Bradys Umgang mit den Missbrauchsfällen für nicht tragbar und fordern offen den Rücktritt des Kardinals. 

Den lehnt der Kardinal und Erzbischof von Armagh jedoch ab. Zurücktreten, das will er nicht, schließlich habe er unzählige Anrufe erhalten, die ihn bestärkten, das Amt weiterzuführen. Und doch übt sich der Kardinal in Schadensbegrenzung und entschuldigte sich bei damaligen Opfer dafür, dass er geschwiegen hatte.

Der Vorwurf, der aus der vergangene Woche ausgestrahlten BBC-Dokumentation hervorgeht, war kein geringer gewesen: Mitte der 70er Jahre soll Brady als junger Kirchenmann an der Vertuschung von Missbrauchsfällen durch den Priester Brendan Smyth beteiligt gewesen zu sein. Smyth wurde 1997 wegen 90-fachen Kindesmissbrauchs zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Brady war damals Teil einer kircheninternen Untersuchungskommission und habe trotz besseren Wissens nicht die Behörden über die Vorgänge informiert.

Seine Rolle in der Untersuchungskommission sei übertrieben dargestellt worden, verteidigte sich Brady. Er habe dem Bischof seinen Bericht übergeben, der dafür verantwortlich gewesen sei, weitere Schritte zu unternehmen. Gleichzeitig räumte das Oberhaupt der irischen Katholiken ein, Teil einer Kultur von Unterwürfigkeit und Schweigen in Gesellschaft und Kirche gewesen zu sein.

Während Brady bis heute einen Rücktritt strikt ablehnt, haben die aktuellen Entwicklungen den Anschein “einer vorsichtig choreografierten Exit-Strategie”, wie der Belfast Telegraph schreibt. Der Vatikan wird dem Kardinal einen erfahrenen Kirchenmann zur Seite stellen, der sukzessive die Aufgaben Bradys übernehmen und ihm wohl nach einer angemessenen Zeit als Erzbischof von Armagh nachfolgen wird. Zur großen Überraschung der Kirchgänger hatte sich der Kardinal gestern bei der Messe in der St. Patrick’s Cathedral in Armagh vertreten lassen.

Überfällig nennen den Rückzug Bradys inzwischen nicht nur Politik und Opferverbände, sondern auch Theologen halten mit ihrem Unmut nicht mehr hinterm Berg. Während Außenminister Eamon Gilmore laut Medienberichten sagte , wer mit Missbrauchsfällen nicht angemessen umgegangen sei, könne keine führende Stellung in der Gesellschaft einnehmen, lies Garry O’Sullivan, Herausgeber der einflussreichen Zeitung “The Irish Catholic” verlauten, es sei besser für die Zukunft der katholischen Kirche in Irland, wenn Brady sich zurückziehe. Auch der emeritierte Theologieprofessor Vincent Twomey, einer der einflussreichsten Theologen Irlands, sagte, Brady habe seine moralische Autorität eingebüßt und müsse sein Amt abgeben.

via: The Guardian
Bildnachweis: rte.ie

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