The Queens of Irish Kitsch

4. Juni 2012 | Von | Kategorie: In aller Welt

Man nehme eine Handvoll attraktiver junger Frauen mit engelsgleichen Stimmen, packe sie in wallende Abendroben vom Typ “Prinzessin” und lasse sie ein buntes Potpourri aus irischen Traditionals, internationalen Balladencovers und Musical-Klassikern schmettern und würze das Ganze noch mit einem winzigen Schuss Riverdance – fertig ist ein Kitsch-Konzert vom Feinsten, fertig ist ein Konzert der “Celtic Woman”-Truppe, die am vergangenen Freitag auch in der Münchner Olympiahalle Station machte.

“Celtic Woman” sind der Beweis, dass man das Casting-Prinzip nicht nur auf Teenie-Kreisch-Combos anwenden kann, sondern auch die ältere Zielgruppe durchaus Vergnügen an Musik aus der Retorte finden kann, noch dazu, wenn das Ergebnis so stimmgewaltig ist, wie bei Celtic Woman. 2004 von einem Musikmanager zusammengepuzzelt, haben “Celtic Woman” bis heute in wechselnden Formationen fünf Alben auf den Markt gebracht, die sich insgesamt über sechs Millionen Mal verkauften.

Aus Berichterstattersicht beginnt der Abend mit einem Ärgernis. Fotos sind nur vom Mischpult aus erlaubt und das steht hinter dem Publikum in der Mitte der Olympiahalle, gute 30 Meter von der Bühne entfernt. Man könnte fast meinen “Celtic Woman” bräuchten keine Promotion mehr in Deutschland, doch die nur mäßig besetzen Sitzreihen in der Arena und auf den Rängen sprechen eine andere Sprache.

Unterwegs ist die zur Zeit vierköpfige Formation – Lisa Kelly hat sich ein Jahr Schwangerschaftsurlaub genommen – mit den beiden Gründungsmitgliedern Chloë Agnew und Máiréad Nesbitt, mit Lisa Lambe und der Kelly-Vertreterin Susan McFadden, die als Darstellerin der Elle Woods im Musical “Natürlich Blond” im Londoner West Ende große Erfolge feiern konnte.

Natürlich darf bei einem solchen Auftritt die große Showtreppe nicht fehlen, auch wenn die durch die links und rechts aufgetürmten Percussion- und Schlagzeugtürme schon fast zu einem Canyon wird. Doch das ist ganz egal, nach den ersten Takten von “Awakening” schweben die vier Ladys von der grünen Insel samt Background Ensemble die Treppen herab und geben gleich zum Einstieg eine Kostprobe ihres Könnens.

Es sind wunderschöne Klänge, die da von der Bühne ins Publikum fließen. Nein, an der gesanglichen Qualität gibt es nichts auszusetzen, vielleicht aber an der Choreographie zumindest eines Ensemblemitglieds. Vielleicht ist Mairead Nesbitt wirklich eine so hervorragende Geigerin, dass sie im Rennen, Springen, Tanzen fehlerfrei spielen kann, doch bei einem überwiegend aus Balladen bestehenden Programm wirkt es mehr als irritierend, wenn Nesbitt immer wieder wie ein Derwisch und mit vermeintlich großem Gestus zwischen den Bühnenseiten hin- und herflitzt und beim theatralischen Bogenschwung eher aussieht wie der bogenschießende Elf Legolas im “Herrn der Ringe”.

Leider, wenn man das so überhaupt sagen darf, interpretieren die Künstlerinnen nicht jedes Lied als Quartett. Viele Titel aus der aktuellen und früheren CD’s werden als Solo dargeboten, so etwas Chloë Agnews berührendes, mit wunderbar rollendem “r” in “ora pro nobis peccatoribus”, interpretierten “Ave Maria”, das im Publikum für einige Tränen der Rührung sorgte. Jede Sängerin bekommt ausreichend Gelegenheit, das Publikum auch von den eigenen Solistinnenqualitäten zu überzeugen und Neuling Susan McFadden machte bei “The Water is wide” von der Chance Gebrauch.

Doch wenn man mal ganz ehrlich ist, echte Gänsehaut gibt es bei diesem Ensemble vor allem dann, wenn alle vier “Women” auf der Bühne stehen und gemeinsam ihre Titel trällern, wie etwa “Mo Ghile Mear” oder das Abschiedslied, das auch die Show von München beschließen sollte – The Parting Glass. Auch wenn für den Autor dieses Berichts etwas weniger mehr gewesen wäre, die Herzen Ihres Publikums hatten “Celtic Woman” im Sturm gewonnen und stehend spendeten die Münchner den Schlussapplaus – für die Queens of Irish Kitsch.

Hier haben wir ein paar Eindrücke von der Show für Euch zusammengestellt:

Wie unser Redakteur Tom das Konzert erlebt hat, lest Ihr in seinem Artikel “Wirbelnder Feenstaub – Celtic Woman in München“.

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Ein Kommentar auf "The Queens of Irish Kitsch"

  1. [...] Wie unser Redakteur Tom das Konzert erlebt hat, lest Ihr in seinem Artikel “The Queens of Irish Kitsch“. [...]

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