Zu Besuch bei “Joyce Country-Sheep Dog”

10. Juni 2012 | Von | Kategorie: Mayo

Bordercolliewelpen, wie gemacht für die Mädels.

Wir sind in Shanafarahaun im Joyce Country in Connemara, im County Galway. Wir, das sind meine Frau Manina, unsere Tochter Fiona Eileen, deren beste Freundin Olivia und natürlich ich: Uwe.

So abenteuerlich wie der Name des Ortes ist auch der Weg dorthin. Es geht über Berge und durch Täler. Die Mädels lieben solche Achterbahnstraßen. Unser Navi ist an seine Grenzen gekommen, und auch die Straßenkarte gibt nicht mehr viel her. Aber Straßenschilder gibt’s und denen folgen wir einfach.

Noch eine steile Hofeinfahrt und dann sind wir bei Jo. Nachdem Jo uns begrüßt hat, drückt er jedem erstmal einen Welpen in die Hand. Sie sind gerade mal so groß wie Meerschweinchen, 2 Wochen alt und haben seit 2 Tagen die Augen auf. Und wenn sie groß sind, sind sie richtige Bordercollies. Wir sind die einzigen Besucher bei dieser Vorführung. So hat Jo Zeit, auch alle Fragen zu beantworten. Zuerst wird uns aber gezeigt, wie ein Hund eine Herde Schafe aus den Bergen holt und vor sich hertreibt. Hier sieht man wirklich, daß der Hund mitdenkt. Treibt er zu schnell, geraten die Schafe in Panik, ist er zu langsam, zerfällt die Gruppe. Mit Pfiffen seiner speziellen Pfeife sagt Jo, wohin die Schafe sollen. Seine Hunde lernen 4 verschiedene Signale. 1, Treib die Herde von mir weg. 2. treib die Herde zu mir. 3. linksrum. 4. rechtsrum. Wenn Jo mit mehreren Hunden gleichzeitig arbeitet, wird vor jedem Pfiff der Name des betreffenden Hundes gerufen.

Bordercolliezüchter Jo´s Hüte-Vorführung

Vier- bis fünfmal pro Jahr werden Jo´s 250 Schafe alle zusammengetrieben. Dann wird z.B. geschoren, oder geimpft oder auch die Haut gegen Parasiten behandelt. Und zum Lammen kommen sie auch auf den Hof. Hierfür schickt Jo dann die Hunde alleine los und er fährt mit dem Boot über den See um am Ende der Weide auf Herde und Hunde zu warten. Da es sich um ein sehr hügeliges Gelände handelt, hat er nur sehr selten Sichtkontakt zu seinen Tieren. Jetzt wollte ich natürlich wissen was passiert, wenn sein Hund ein verletztes oder krankes Schaf findet. Diese Frage ist anscheinend vorher noch nie von einem Besucher gestellt worden, jedenfalls hat sich Jo darüber gefreut. „Das ist keine Standartfrage“, meinte er zu mir. „Meine Hunde sind so ausgebildet, das sie bei einem Schaf bleiben, das nicht mehr alleine laufen kann. Und dann muß ich losgehen und Schaf und Hund suchen.“ Ich bin beeindruckt von dem Vertrauen, das Jo in seine Tiere hat. Er hat auch schon an Hütewettbewerben teilgenommen (not for the money, just for fun) und hat sich über sehr gute Platzierungen gefreut.

Nachdem ich nun gelernt habe, wieviel Arbeit in so einer Herde steckt, wollte ich natürlich wissen wie er auf die Idee kam, den Touristen das zu zeigen. Und dann erzählte Jo voller Stolz: „ 2008 kam ein Filmteam in diese verlassene Gegend. Es sollte eine Szene für den Film „Marley and me“ gedreht werden. Hauptdarsteller im Film sind Jennifer Aniston und Owen Wilson. Sie haben mich soviel über die Arbeit mit Schafen und Hunden ausgefragt, dass ich mir dachte ich könnte so etwas auch für Touristen machen.“ Und das kann er richtig gut.

So, jetzt noch schauen dass alle Welpen wieder abgeben werden und dann über die Achterbahnstraßen zurück ins Ferienhäuschen. Ach ja, Joyce Country ist nach Thomas Joyce genannt, der vor etwa 700 Jahren aus Wales hierher kam, um sich niederzulassen. Sein uns heute bekanntester Nachkomme: Autor James Joyce.

Beim Abschied richtete Jo dann noch eine Bitte an alle Bordercollie-Fans unter den Gaelnet-Lesern:“ Wenn Du einen Bericht schreibst, dann sag allen Lesern, dass ein Bordercollie unbedingt eine Aufgabe braucht. Wer keine Schafherde hat oder als Rettungshundeführer arbeitet, der sollte wenigstens Agility mit dem Hund machen. Ansonsten hat man sehr schnell einen extrem neurotischen Hund zu Hause.“

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