Spart Ryanair am Sprit?

17. August 2012 | Von | Kategorie: Jetzt lesen

Die Schlagzeilen kommen für Ryanair zum ungünstigsten Zeitpunkt. Gerade als sich der irische Billigflieger wieder einmal um die Übernahme der staatlichen irischen “Aer Lingus” bemüht, steht die Airline im Verdacht, seine Flieger nur soweit unbedingt nötig aufzutanken und so die Sicherheit der Passagiere zu gefährden. Eine Untersuchung soll nun klären, ob Ryanair die entsprechenden Vorschriften verletzt hat.

Billigflieger, so heißt es immer wieder, sparen an den Extras, nicht an der Sicherheit. Diese Behauptung hat nun gewaltige Risse bekommen, nachdem am 26. Juli gleich drei Ryanair-Maschinen binnen weniger Stunden in Valencia notlanden mussten – in allen Fällen war die Begründung dieselbe: Spritmangel!

Die Flüge waren allesamt wegen schlechter Witterung von Madrid nach Valencia umgeleitet worden, wo die Flieger wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens für nahezu eine Stunde Warteschleifen drehen mussten, bevor die Piloten jeweils ihre Notrufe absetzten und um eine sofortige Landefreigabe ersuchten.

Sowohl die spanische wie auch die irische Luftfahrtbehörde haben zwischenzeitlich Ermittlungen gegen Ryanair aufgenommen. Bei der irischen Pilotenvereinigung IAPA sieht man die Ursache für die Vorgänge in der Firmenkultur von Ryanair. “Ryanair legt die Spritmenge für jeden Flug genau fest und die Piloten werden angehalten, das Nachtanken auf ein Minimum zu beschränken”, erklärt IAPA-Sprecher Evan Cullen.

Ryanair hat die Vorwürfen hinsichtlich der Spritpolitik der Airline zurückgewiesen. Firmensprecher Stephen McNamara betonte, die Notrufe seien jeweils nach mehr als 70 Minuten zusätzlicher Flugzeit in außergewöhnlichen Umständen erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Maschinen noch Treibstoff für 30 Minuten gehabt.

Soweit scheint Ryanair auf den ersten Blick die Vorgaben bezüglich der Betankung der Maschinen erfüllt zu haben, doch auf den zweiten Blick bekommt man einen anderen Eindruck.

Wie wird die Spritmenge berechnet?

Die Vorgaben für die Betankung von Passagierflugzeugen sehen vor, dass die Spritmenge in einem komplizierten Verfahren berechnet und aus mehreren Einzelmengen addiert wird. Vereinfacht dargestellt setzt sich die Spritmenge wie folgt zusammen: Der Sprit für die Flugstrecke von A nach B wird anhand der Luftstraßen berechnet und nicht in direkter Linie plus einer Reserve von fünf Prozent.

Dazu wird der Sprit für die Dauer des Reiseflugs zu einem potenziellen Ausweichflugplatz addiert und zuzüglich für weitere 30 Minuten Warteschleifen und eine Pauschale für das Rollen am Boden. Außerdem werden zur Berechnung weitere Faktoren wie Fracht- Passagier- und natürlich auch das Spritgewicht selbst herangezogen.

Das letzte Element der Gesamtspritmenge nennt sich “Captain Discretion Fuel” und ist eine Spritmenge, die der Captain auf Basis seiner Flugerfahrung und im Hinblick auf seine alleinige Verantwortung als Luftfahrzeugführer als zusätzliche Sicherheitstoleranz einkalkuliert.

Da Piloten vor Antritt eines Fluges ein Wetterbriefing für die gesamte Flugstrecke erhalten liegt der Schluss nahe, dass die Crew über die Unwetter in Spanien und damit auch die drohende Umleitung und infolgedessen auch das drohende hohe Flugaufkommen informiert waren.

Warum also haben die Piloten die Spritmenge nicht von vorneherein höher kalkuliert um auch für längere Holdings gewappnet zu sein? Gibt es bei Ryanair unter Umständen wirklich genaue Vorgaben bezüglich der Spritmengen, von denen Piloten tunlichst nicht abweichen sollten? Sollte die Untersuchung wirklich ergeben, dass Ryanair durch Vorgaben zum Spritverbrauch die Entscheidungsfreiheit seiner Piloten einschränken, wäre das in der Tat auch ein Eingriff in die Flugsicherheit.

via Irish Independent
Bildnachweis: wikipedia

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