Tabu um seelische Erkrankungen verzögert Behandlung gefährlich

25. September 2012 | Von | Kategorie: Gesundheit

Einer von fünf Menschen mit seelischen Leiden sucht erst nach einem Jahr Hilfe beim Psychologen. Die späte Kontaktaufnahme hängt mit dem immer noch bestehenden gesellschaftlichen Tabu rund um psychische Krankheiten zusammen. Dies hat eine aktuelle Studie des Dubliner St. Patrick´s University Hospital ergeben. Dabei entscheidet rechtzeitige Hilfe in diesem Bereich oft über Leben und Tod.

Das Stigma seelischer Erkrankung koste Leben, sagte Paul Gilligan, der Chef der Uniklinik St. Patrick´s, welche auch die grösste Einrichtung Irlands zur Behandlung psychischer Leiden ist: “Tatsächlich unterschätzen die Forschungsergebnisse vermutlich sogar den Grad des Tabus, da viele Teilnehmer solcher Umfragen sich scheuen, negative Einstellungen öffentlich zu äussern. Das Ergebnis ist, dass die Menschen äussert ungern über ihren Leidensdruck sprechen und sogar glauben, sie würden ihre Familie und sich selber schlecht dastehen lassen, wenn sie Hilfe suchen. Viele Verzweifelte suchen daher nicht Hilfe, sondern den Tod.” Von den Mutigen, welche sich professionellen Rat holen, haben etwa 20 Prozent diesen Schritt um bis zu einem Jahr hinausgezögert.

Die Studienergebnisse wurden gestern im Rahmen der Veröffentlichung des Jahresberichts des St. Patrick´s Hospitals angesprochen. Dabei sprach der medizinische Direktor Prof. Jim Lucey auch ein Bildungsprogramm an, das die Dünkel rund um Psycho-Probleme zu beseitigen sucht: Ältere Schüler dürfen im Rahmen dieses Programms eine Woche lang die psychologische Jugendhilfestation Willow Grove besuchen. Prof. Lucey zeigte sich erfreut, wie schnell Vorbehalte im direkten Kontakt mit Betroffenen verflögen: “Nach einer Woche haben sie einen realistischen Eindruck was seelische Gesundheit heisst und darüber, wie positiv die Heilung in diesem Bereich zu bewerten ist.”

Prof. Lucey führt die Zurückhaltung beim Thema psychischer Erkrankungen unter anderem auf die unschöne Vergangenheit der Psychiatrie zurück, was sich so nicht mehr wiederholen dürfe: “Wir sind alle mit den Horrorgeschichten über “Ireenhäuser” aufgewachsen. Die Menschen müssen aber Zugang haben zu prfessioneller Hilfe von hoher Qualität, ansonsten wird das Tabu weiter bestehen und auch die Angst davor, in einer schrecklichen Einrichtung zu enden.”

via: Irish Examiner

Bildnachweis: flickr, by Kristina Alexanderson, CC-Lizenz

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